Donnerstag, 19. September 2019

Zum Tode Leo Brawands Langjähriger Chefredakteur des manager magazins gestorben

Er war einer der ersten Chefredakteure des manager magazins nach dessen Gründung im Jahre 1971. Rund zehn Jahre stand er dem Blatt vor. Jetzt ist Leo Brawand, der auch einer der Mitgründer des SPIEGEL war, im Alter von 84 Jahren in Hamburg gestorben.

In den 70er Jahren war er das Gesicht von manager magazin: Mit seinem buschigen Schnauzbart und seinem stets nach hinten gegelten Haar repräsentierte Leo Brawand das Magazin eloquent in damals vielgesehenen Fernsehsendungen wie "Pro & Contra" oder dem "Internationalen Frühschoppen". Streitlustig präsentierte er sich nicht nur dort als ein entschiedener Verfechter der sozialen Marktwirtschaft.

Leo Brawand: "Nestor der deutschen Wirtschaftsmagazine"
Manfred Witt
Leo Brawand: "Nestor der deutschen Wirtschaftsmagazine"
Auch innerhalb der SPIEGEL-Gruppe, zu dem das manager magazin gehört, war Brawand ein zäher Kämpfer. Er kämpfte für sein manager magazin, das in den Gründerjahren roten Zahlen geschrieben hat. Immer, wenn Rudolf Augstein mal wieder ans Einstellen des Magazins dachte, konnte ihn Brawand überzeugen, das nicht zu tun. Hilfreich bei seiner Überzeugungsarbeit war auch, dass er gegenüber seinem alten Weggefährten Augstein die finanzielle Situation des manager magazins manchmal etwas rosiger schilderte als sie in Wirklichkeit war. mm-Chefredakteur Arno Balzer würdigt diese Leistung: "Ohne den damaligen Einsatz von Leo Brawand würde es das manager magazin wohl heute nicht mehr geben."

Unter Brawand bekam das manager magazin sein bis heute gültiges und unverwechselbares Profil: Ein investigatives Wirtschaftsmagazin, das kritisch das Wirken der Manager analysiert und beschreibt. Unter ihm wurde die legendäre Rubrik "Missmanagement" eingeführt. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann (FDP) würdigte Brawand nicht nur deshalb 1988 bei der Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes als "Nestor der deutschen Wirtschaftsmagazine".

Vor seiner Zeit beim manager magazin hatte Brawand bereits eine abwechslungsreiche Karriere beim SPIEGEL hinter sich. Als 22-Jähriger heuerte der Englischlehrer 1946 beim SPIEGEL-Vorläufer "Diese Woche" an, aus dem im Januar 1947 der SPIEGEL hervorging. Von Anfang war Brawand einer der engsten Mitarbeiter Augsteins- erst als Redakteur, später als Leiter des Wirtschaftsressorts.

Legendär war seine Rolle in der SPIEGEL-Affäre 1962. Als die Polizei zur Razzia in der Redaktion im Pressehaus am Hamburger Speersort anrückte, versteckte sich Brawand in einem Schrank. Dem entstieg er nach der Razzia unbemerkt und warnte Augstein telefonisch vor der drohenden Verhaftung - und ermöglichte ihm damit, sich freiwillig zu stellen. Augstein machte Brawand aus der Haft heraus zum kommissarischen Chefredakteur. Das blieb er, bis Augstein nach 103 Tagen Haft wieder aus dem Gefängnis freikam.

Über die turbulente Geschichte des SPIEGEL, die er selbst miterlebt und mitgestaltet hat, schrieb Brawand das Buch "DER SPIEGEL - ein Besatzungskind", das er 2006 veröffentlichte. Da war er schon längst im Ruhestand, den er mit Tennisspielen, Golfen und Wandern verbrachte. Am 8. Juni ist Leo Brawand in Hamburg-Rahlstedt einem Krebsleiden erlegen.

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