Teilerfolg Deutsche Bank will Hertie-Gipfel moderieren

Im Insolvenzfall der Warenhauskette Hertie kämpfen die Kommunen weiter um eine Lösung - mit einem Teilerfolg: Die Deutsche Bank erklärte sich nun zu einem neuen Anlauf bereit, noch einmal alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Und sie will den Gipfel auch moderieren.

Frankfurt am Main - Im Insolvenzfall der maroden Kaufhauskette Hertie haben die betroffenen Kommunen trotz der bereits begonnenen Sozialplanverhandlungen die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Nach einem Treffen mit Bürgermeistern sicherte der Deutschland-Chef der Deutsche Bank , Jürgen Fitschen, zu, einen Gipfel mit den Eigentümern der Gebäude, dem Insolvenzverwalter und möglichen Investoren zu organisieren. Die Deutsche Bank werde dabei als Moderator auftreten.

Die noch verbliebenen 54 Kaufhäuser der insolventen Kette mit rund 2600 Beschäftigten stehen nach Beschluss der Gläubiger vor der Schließung in diesem Sommer. Die Kommunen werfen dem britischen Immobilieninvestor Dawnay Day als Eigentümer vor, sich allen Rettungsversuchen durch völlig überhöhte Miet- und Kaufpreisforderungen widersetzt zu haben.

Er habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Investor den Spatz in der Hand - die Hertie-Übernahme durch Schweizer Geschäftsleute - der Taube auf dem Dach vorziehe, sagte der Bürgermeister von Laatzen, Thomas Prinz, nach dem Gespräch.

Dawnay Day will die Immobilien, für die seit Mai 2008 keine Mieten mehr fließen, gewinnbringend vermarkten und hat nach Hertie-Angaben ein Haus in Hamburg verkauft. Nach Informationen aus Finanzkreisen drohte der Kredit zur Hertie-Übernahme mit einem aktuellen Restwert von 238 Millionen Euro bereits zwei Mal zu platzen.

Die Deutsche Bank solle ihren Einfluss geltend machen, hatte der Rendsburger Bürgermeister Andreas Breitner (SPD) verlangt. Bislang seien alle Versuche gescheitert, mit dem Investor direkte Gespräche zu führen. "Deshalb wollen wir mit der Deutschen Bank sprechen. Die hat für uns eine Adresse und ein Gesicht." Die Kommunen könnten selbst keine großen Beträge zur Rettung der Kaufhäuser aufbringen, sagte der Rendsburger Rathauschef. Es sei aber möglich, zur Sanierung der bereits vom Alteigentümer Karstadt vernachlässigten Häuser Mittel aus der Städtebauförderung locker zu machen.

Laut Breitner ist die Deutsche Bank bei sämtlichen Hertie-Immobilien im Grundbuch als Grundschuldgläubiger eingetragen. Die Bank hat den Kredit für den Erwerb der früheren Karstadt-Tochter nach eigenen Angaben zwar organisiert, in einem größeren Bündel verbrieft und an internationale Anleger weitergegeben. Sie fungiere aber lediglich als Verwalter des Kredits und nehme keine eigenen Interessen wahr, sagte ein Sprecher.

Unterdessen begannen in Essen die Sozialplanverhandlungen für die rund 2600 Beschäftigten. Mit einem Abschluss der Gespräche werde am Mittwoch gerechnet, sagte ein Unternehmenssprecher in Essen.

Die Gläubigerversammlung der insolventen Hertie-Warenhauskette hatte im Mai dafür gestimmt, das Traditionsunternehmen innerhalb von zwei Monaten zu liquidieren. 54 Warenhäuser sollen nun bis zum Sommer geschlossen werden.

Die britische Hertie-Muttergesellschaft Dawnay Day hatte sich mit Immobilien verspekuliert und war 2008 selbst in die Insolvenz gegangen. Seither ist eine Dawnay-Day-Tochter, die niederländische Mercatoria Acquisitions, für die Verwertung der Hertie-Gebäude zuständig und strebt an, die Häuser einzeln zu verkaufen.

Hertie hatte Ende Juli 2008 Insolvenz angemeldet. Im März 2009 war das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Im Geschäftsjahr 2007/2008 hatte Hertie einen Verlust von 155 Millionen Euro eingefahren.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp.djn

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