Arcandor "In jedem Ende steckt ein Anfang"

In ihrer kurzen Ansprache im Regen vermitteln Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und der neue Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg eine Botschaft: Die Insolvenz bedeutet nicht das Ende des Konzerns. Beide wetten auf die "zweite Chance".
Von Karsten Stumm

Essen - Der Regen prasselt auf das blecherne Vordach der Karstadt-Zentrale in der Essener Innenstadt. Dutzende Kamerateams haben vor dem Eingang Stellung bezogen, doch Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick lässt auf sich warten. Die Fenster der Zentrale sind mit Plakaten beklebt: "Das Warenhaus lebt" und "Setzt uns nicht vor die Tür" steht darauf. Mitarbeiter haben außerdem auch eine weiße Kerze aufgestellt, deren Flamme jedoch zu Beginn der Pressekonferenz im Regen erlischt.

Konzernchef Eick tritt vor die Mikrofone. Er dankt allen Mitarbeitern für die "überwältigende Unterstützung", die ihm "auch persönlich Stärke und Rückhalt gegeben hat". 1,3 Millionen Unterschriften haben sie in den vergangenen Tagen gesammelt - doch der Insolvenzantrag ließ sich nicht verhindern.

Eick setzt jedoch alles daran, die Mitarbeiter auf eine Zukunft von Arcandor einzuschwören. Ziel der "geordneten Planinsolvenz in Eigenverantwortung" sei, den Gesamtkonzern "in seiner heutigen Form mit den drei Teilen Primondo, Thomas Cook und Karstadt zu erhalten", betont Eick immer wieder.

Das bestehende Restrukturierungs- und Sanierungskonzept solle fortgeführt werden, ergänzt der Arcandor-Chef. "Auch wenn ich zur Kenntnis nehmen musste, dass wir damit bisher nicht alle Beteiligten überzeugen konnten." Der Insolvenzantrag sei "unvermeidbar, aber konsequent", um das Vermögen der Firma nicht zu beschädigen. Eick fügt trotzig an: "Wir sehen darin eine Chance für uns alle. In jedem Ende steckt ein Anfang."

Nach Eick spricht der neue Generalbevollmächtigte der Arcandor AG, Horst Piepenburg. Der erfahrene Insolvenzverwalter, der unter anderem Babcock Borsig  und die Pin Group saniert hat, ist damit auch der neue starke Mann bei Arcandor . "Wir haben heute Deutschlands größtes Insolvenzverfahren eingeleitet", sagt Piepenburg. Dabei gehe es um die Sanierung des gesamten Konzerns, nicht nur einzelner Teilbereiche. Auch er betont: Ziel des Verfahrens sei, den Gesamtkonzern in seiner heutigen Form zu erhalten.

Auf Hilfe vom Steuerzahler kann Piepenburg trotz der abgelehnten Bürgschaft zählen. Durch das Insolvenzverfahren bekommt Arcandor 250 Millionen Euro Insolvenzgeld vom Staat. Davon können nicht nur die Löhne für die Mitarbeiter in den nächsten drei Monaten, sondern auch 56 Millionen kurzfristig fälliger Kredite bedient werden, um das operative Geschäft des Unternehmens am Laufen zu halten. Die Fälligkeit der auslaufenden Kredite bis zum 12. Juni sei damit jetzt ohne Bedeutung, sagt Piepenburg.

Und auch der Sanierungsexperte blickt zum Abschluss seiner kurzen Rede nach vorn: "Wir werden alle Beteiligten einladen, an den Gesprächen teilzunehmen, sodass uns diese zweite Chance auf einen soliden Boden bringt", sagt er. Hoffnung also. Zweite Chance. Und damit es an diesem regnerisch-trüben Tag in Essen auch wirklich jeder versteht, fügt er an: "Ich übernehme keine aussichtslosen Mandate."

Arcandor: Der Niedergang in Bildern

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.