Arcandor-Insolvenz Wie es jetzt weitergehen könnte

Der angeschlagene Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hat Insolvenz beantragt. Was bedeutet die Pleite für die Töchter Karstadt Warenhaus, Primondo und Quelle? Folgende Szenarien sind denkbar.

Hamburg - Eine Insolvenz bedeutet nicht zugleich das Ende für den Konzern und die Arbeitsplätze. Ein Insolvenzverwalter kann etwa Verträge mit Lieferanten schneller und einfacher kündigen, um günstigere Vereinbarungen zu erreichen. Entlastung bringt auch das Insolvenzgeld: nicht das Unternehmen, sondern der Bund zahlt die Löhne und Gehälter - bis zu einer Laufzeit von drei Monaten. Arcandor könnte sich durch einen Insolvenzplan von seinen Verbindlichkeiten befreien.

Möglich wäre auch ein Insolvenzplanverfahren. Bei einem solchen Verfahren darf in Eigenregie saniert werden, wie dies etwa die Modekette SinnLeffers getan hat, sofern es dafür gute Chancen gibt. Mit der eher selten genehmigten Eigenverwaltung erhält das Management seine Entscheidungskompetenzen zurück und versucht mit dem Insolvenzverwalter das Unternehmen in wesentlichen Teilen zu erhalten.

Mögliche Zerschlagung bedeutet nicht das Aus für alle Häuser

Der Pleite könnte aber auch die Zerschlagung folgen. Dies muss aber nicht heißen, dass alle 89 Karstadt-Häuser und 28 Sport-Filialen geschlossen werden. Interessenten stehen auf der Matte. Konkurrent Metro hat die Integration von 60 Karstadt-Filialen ins Spiel gebracht. Die restlichen 30 könnten an Handelsketten wie die Metro-Elektronikmärkte Media Markt und Saturn oder andere gehen.

Metro und Arcandor führen bereits Gespräche über eine Deutsche Warenhaus AG. Ein für beide Seiten tragfähiges Konzept zeichnete sich bislang aber nicht ab. Auch liegen nicht alle Häuser in exponierten Lagen. Manche könnten keinen Abnehmer finden. Bürgermeister und Arbeitnehmervertreter warnen vor einer Verödung mancher Innenstädte, in denen Karstadt-Filialen seit Jahrzehnten existieren.

Otto an Versandhandelssparte Primondo interessiert

Eine Pleite müsste auch für die Versandhandelssparte Primondo, zu der neben Quelle Spezialversender wie Baby-Walz, mirabeau oder Hess Natur sowie der Fernseh-Shopping-Kanal HSE 24 zählen, nicht das Aus bedeuten. Denkbar wäre, dass die Sparte eigenständig fortgeführt wird. Auch ein Verkauf wäre möglich. Interesse hat bereits Konkurrent Otto gezeigt. Bereits in der Vergangenheit hat Arcandor sich von einigen Spezialversendern sowie dem Versender Neckermann getrennt.

Rewe zeigt Interesse am Geldbringer Thomas Cook

Thomas Cook sieht sich sowohl operativ als auch finanziell unabhängig von Arcandor. An dem Unternehmen mit Sitz im britischen Peterborough, das fast 60 Prozent zum Konzernumsatz und annähernd 90 Prozent zum operativen Ergebnis des Konzerns beiträgt, hält Arcandor eine Mehrheitsbeteiligung von rund 52 Prozent.

Die Anteile sind an die Banken verpfändet. Diese könnten die Anteile verkaufen - wegen der aktuellen Börsenschwäche derzeit aber wohl nur unter Wert. Grundsätzliches Interesse an dem Reiseanbieter hat die Kölner Rewe gezeigt.

Zulieferer und Dienstleister würden leiden

Von einer Arcandor-Pleite in Mitleidenschaft gezogen werden Zulieferer und Dienstleister. Der Konzern spricht von 20.000 in Deutschland, vor allem mittelständische Unternehmen. Auch die Deutsche Post wäre von einem Zusammenbruch betroffen. Die Bonner erledigen für Arcandor vor allem Dienstleistungen im Logistik- sowie im Paket- und Briefgeschäft. 4000 Mitarbeiter der Post sind mit Arcandor-Aufträgen beschäftigt.

Das Handels- und Touristikunternehmen Arcandor betonte unterdessen, unvermindert in allen Geschäftsbereichen weiterarbeiten zu wollen. "Das operative Geschäft bleibt in vollem Umfang erhalten", sagte Sprecher Gerd Koslowski. Für Kunden gebe es keine Einschränkungen. Auch Lieferamten und die Gehälter der Beschäftigten würden bezahlt. Für die 43 000 von den Insolvenzanträgen betroffenen Mitarbeiter werde bis August die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld zahlen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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