Krisenticker Obama will Wall Street zügeln

US-Präsident Obama will mit einer neuen Finanzaufsicht die Risiken begrenzen, GM verlängert in mehreren Fabriken die Werksschließungen, das Kfz-Gewerbe in Deutschland rechnet trotz Abwrackprämie mit Umsatzeinbußen und der Dow Jones geht kaum verändert aus dem Handel. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.03 Uhr: Der New Yorker Aktienmarkt hat am Dienstag uneinheitlich geschlossen. Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte notierte zum Handelsschluss praktisch unverändert bei 8763 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss 0,4 Prozent fester bei 942 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  gewann 1 Prozent und ging mit 1860 Punkten aus dem Handel.

21.40 Uhr: GM verlängert angesichts anhaltend schwacher Nachfrage die Werksschließung in sieben seiner Fabriken um vier Wochen. Der Autobauer versucht durch diesen Schritt, die Auslieferbestände weiter zu beschränken.

21.11 Uhr: Angesichts gestiegener Nachfrageerwartungen hat der Ölpreis ein Sieben-Monats-Hoch erklommen. Der Preis für eine Barrel US-Rohöl stieg am Dienstag auf über 70 Dollar.

20.20 Uhr: US-Präsident Barack Obama will in der kommenden Woche Reformpläne für die heimische Finanzaufsicht vorstellen, die künftig extrem riskante Geschäfte an der Wall Street einschränken sollen. Große Firmen sollten nicht länger so hohe Risiken eingehen können, dass sie die gesamte Wirtschaft gefährdeten, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag vor einem Senatsausschuss.

Geplant sei ein neues Gremium, das den Gesamtzustand der Finanzbranche überwachen solle. Der Plan sehe zudem eine Stärkung des Verbraucher- und Investorenschutzes vor. Das US-Aufsichtssystem sei überholt und müsse modernisiert werden, damit es der Größe, Form und der Geschwindigkeit des modernen Finanzsystems entspreche.

20.18 Uhr: Metro spekuliert nach dem Insolvenzantrag des Konkurrenten Arcandor nicht auf Schnäppchenpreise für dessen Karstadt-Warenhäuser. Es solle einen "fairer Kaufpreis" für 60 Häuser gezahlt werden, unabhängig davon, ob Arcandor einen Insolvenzantrag gestellt habe oder nicht, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes am Dienstag in einem Interview mit dem ZDF.

Er wolle aus der Kombination der Kaufhof- und Karstadt-Häuser einen "starken europäischen deutschen Kaufhauskonzern bauen", der aus ungefähr 160 Häusern bestehe. "Wir haben ein kurz- und mittelfristiges Ziel, dieses neue Ganze zu schaffen und ich glaube sogar, jetzt bin ich ganz tollkühn, dass es die Möglichkeit geben könnte, ein solches neues Unternehmen an die Börse zu bringen, an dem wir dann beteiligt bleiben können", sagte Cordes.

19.16 Uhr: Der angeschlagene Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck erhält eine Landesbürgschaft. Der Wirtschaftsausschuss hat am Dienstag staatliche Hilfe im Umfang von 229,02 Millionen Euro zugesagt, teilte der Landtag Baden-Württemberg am Dienstag mit. Es handele sich um den ersten Fall einer sogenannten Großbürgschaft über 50 Millionen Euro, hieß es. Der Weltmarktführer gehört zu den Unternehmen, denen die Wirtschaftskrise besonders zusetzt. Insgesamt hat Heidelberger Druck 850 Millionen Euro staatliche Hilfen beantragt. Dafür ist nach dem grünen Licht aus Stuttgart nun der Weg frei.

Radikalkur für Landesbanken

17.40 Uhr: Der Dax hat am Dienstag die Marke von 5000 Punkten nicht bis zum Schluss verteidigen können. Der Leitindex ging 0,1 Prozent niedriger bei 4997 Punkten aus dem Handel. Stützen konnten defensive Aktien wie Versorger. Kursverluste verbuchten hingegen unter anderem Finanzwerte.

Nach dem Insolvenzantrag des Handels- und Tourismuskonzerns Arcandor befanden sich dessen Aktien im Nebenwerteindex MDax im freien Fall: Sie brachen bei hohen Umsätzen um rund 50 Prozent bis auf 49 Cent ein.

17.13 Uhr: Die angeschlagenen deutschen Landesbanken müssen sich bis Ende 2010 einer radikalen Schrumpfkur unterziehen. Die Landesbanken sollten "in wesentlichen Teilen" bis Ende Dezember des kommenden Jahres restrukturiert werden, sagten der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) am Dienstag nach einem Treffen mit der EU-Kommission in Luxemburg. Auf diese Zusage hätten sich alle betroffenen Bundesländer geeinigt. Die EU-Kommission verlangt im Gegenzug für öffentliche Hilfen für die Banken einen schnellen Umbau. Ein Abbau von Arbeitsplätzen gilt dabei als unvermeidlich.

16.55 Uhr: Die US-Großbanken und die Regierung in den USA haben die Rückzahlung der staatlichen Finanzspritzen in die Wege geleitet. Das Finanzministerium in Washington gab am Dienstag zehn der größten US-Banken die Erlaubnis, insgesamt 68 Milliarden Dollar an Staatshilfen zurückzuzahlen. Die Banken seien ausreichend stabilisiert, um auf die staatlichen Gelder verzichten zu können, hieß es in einer Erklärung. Finanzminister Tim Geithner wertete die Rückzahlungen als "ermutigendes Zeichen für die finanzielle Stabilisierung".

15.51 Uhr: Brasiliens Wirtschaft hat ihre Talfahrt zu Jahresbeginn gebremst. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im ersten Vierteljahr um 0,8 Prozent, Experten hatten im Schnitt mit 2,6 Prozent zum Vorquartal gerechnet. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas war Ende 2008 in die Rezession abgerutscht. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte dabei im vierten Quartal um 3,6 Prozent.

Hoffnung für Rosenthal

15.00 Uhr: Die Rettung des insolventen Porzellanherstellers Rosenthal rückt näher. Neben der italienischen Sambonet-Gruppe gibt es mittlerweile drei weitere verbindliche Angebote für eine Übernahme des Unternehmens, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Dienstag bestätigte. Bei den Interessenten handle es sich sowohl um strategische Investoren als auch branchennahe Finanziers. Namen wurden nicht genannt. Eine Entscheidung soll in Einvernehmen mit dem Hauptgläubiger, der Bank of America, getroffen werden.

14.48 Uhr: Trotz des Käufer-Booms durch die Abwrackprämie rechnet das Kraftfahrzeuggewerbe für das Jahr 2009 mit Umsatzeinbußen. Die Branche wechsle von der Überholspur auf die mittlere Spur, sagte Robert Rademacher, Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes.

Die Erlöse aus dem Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen sowie dem Service würden 2009 um rund zwei Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert von 129,5 Milliarden Euro liegen. Der Arbeitsplatzabbau habe nicht gestoppt werden können.

14.30 Uhr: Die Insolvenz der Karstadt-Mutter Arcandor bietet nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück neue Chancen für den Touristik- und Handelskonzern. Insolvenzverfahren könnten dazu führen, dass vieles zu retten sei, sagte der SPD-Politiker am Dienstag am Rande eines Treffens der EU-Finanzminister in Luxemburg. Er könne sich zudem vorstellen, dass insbesondere der Versandhandel des Konzerns in einigen Bereichen zukunftsfähig sei.

12.51 Uhr: Im Tauziehen um die Neuordnung der deutschen Landesbanken hat BayernLB-Chef Michael Kemmer vor den Gefahren einer Zusammenlegung gewarnt. "Die Klumpenrisiken bei den Krediten nehmen in fusionierten Bankenbilanzen zu", sagte Kemmer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch die Refinanzierung sei schwieriger als die von mehreren kleinen Banken. "Diese Risiken einer Fusion sind in einer Finanzkrise höher zu bewerten als sonst."

12.15 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Essen hat Ermittlungen gegen den Chef des um seine Existenz ringenden Warenhaus- und Touristikkonzerns Arcandor, Karl-Gerhard Eick, eingeleitet. Wie eine Sprecherin der Anklagebehörde mitteilte, ist in der vergangenen Woche die Anzeige eines Privatmannes eingegangen, der dem Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Insolvenzverschleppung vorwirft. Die Staatsanwaltschaft habe aufgrund der Anzeige die Ermittlungen aufgenommen.

Am Montag war bereits bekannt geworden, dass die Behörde Ermittlungen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen des Verdachts der Untreue prüft. Middelhoff soll Anteile an Immobilienfonds halten, die von den ungewöhnlich hohen Mieten profitieren, die Karstadt für seine Filialen zahlt. Middelhoff weist die Vorwürfe zurück.

10.40 Uhr: Der angeschlagene Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck hat im großen Umfang staatliche Hilfe beantragt. Insgesamt beläuft sich die Summe auf 850 Millionen Euro, erklärte Finanzchef Dirk Kaliebe. 300 Millionen Euro entfallen dabei auf einen Kredit der bundeseigenen KfW-Bankengruppe, für 550 Millionen Euro an Krediten bei Geschäftsbanken soll der Staat notfalls über Bürgschaften gerade stehen. Hinzu kommen soll eine syndizierte, nicht staatlich abgesicherte Kreditlinie über weitere 550 Millionen Euro.

Stärkster Exporteinbruch seit 1950

10.00 Uhr: BDI-Chef Hans-Peter Keitel hat in der Diskussion um Staatshilfen die "Bedienmentalität" einiger deutscher Unternehmer kritisiert "Da gibt es nun manche, die sehen die Chance, etwas mitzunehmen, auch manche, die sich mit ihren Produkten eigentlich nicht im Markt behaupten könnten", sagt er dem "Stern" laut Vorabbericht. Vor diesem Hintergrund appellierte er an die "Schamgrenzen" der Antragssteller.

9.40 Uhr: Die deutsche Wirtschaft musste im April den stärksten Einbruch bei den Exporten seit 1950 verkraften. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag sanken die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 28,7 Prozent auf 63,8 Milliarden Euro. Die Einfuhren sanken ebenfalls deutlich um 22,9 Prozent auf 54,4 Milliarden Euro, so dass sich der Außenhandelsüberschuss auf 9,4 Milliarden Euro summierte nach 19 Milliarden Euro im April 2008. Grund für den dramatischen Wert sei aber nicht alleine die Weltwirtschaftskrise, erläuterte ein Sprecher des Bundesamtes. So sei der April 2008 mit Exporten im Wert von 89,5 Milliarden Euro der stärkste Monat seit Beginn der Statistik im Jahr 1950 gewesen.

9.15 Uhr: Der Dax startet mit Gewinnen in den Handel und notiert zuletzt 1,2 Prozent fester bei 5062 Punkten. Die Aktie von Arcandor  legt rund 20 Prozent zu, nachdem das Unternehmen einen neuen Antrag auf Staatshilfe gestellt hat. Die US-Börsen waren am Vortag in der letzten Handelsstunde ins Plus gedreht.

8.45 Uhr: Der Ölpreis setzt seine Klettertour fort. Am Morgen erreichte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli den Stand von 69,24 US-Dollar. Da Anleger auf eine Konjunkturerholung setzen, steigen auch die Ölpreise seit Monaten.

8.30 Uhr: Auf ungewöhnliche Weise geht ein russischer Politiker gegen die Finanzkrise vor: Der Verwaltungschef der östlich von Moskau gelegenen Region Noguinsk, Wladimir Laptew, hat den Begriff einfach verboten. Beamten in Laptews Einflussbereich, die sich in der Öffentlichkeit nicht an die neue Sprachregelung hielten, drohe die Entlassung, berichtete die Zeitung "Kommersant" am Dienstag. "Die Krise findet im Kopf statt, nicht in der Wirtschaft", sagte Laptew dem Blatt. In der Region herrschten "Bedingungen für normale Arbeit". Die Finanzkrise werde aber von Unternehmen als Vorwand für Entlassungen benutzt: "Unter dem Slogan der Finanzkrise, weigern sie sich, ihren Verpflichtungen nachzukommen", sagte Laptew. Bei dem Verbot handele es sich nicht um einen Eingriff in die Redefreiheit. "Es ist dasselbe, wie seinen Angestellten das Tragen von Miniröcken im Büro zu verbieten", sagte Laptew.

Lichtblick aus Japan

8.00 Uhr: In Japan ist der Sammelindex der Frühindikatoren im April gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat sei der Indikator um 1,0 Punkte geklettert, teilte die japanische Regierung am Dienstag in Tokio mit. Der gleichlaufende Indikator, der die aktuelle wirtschaftliche Lage widerspiegelt, kletterte ebenfalls um 1,0 Punkte auf 85,8 Punkte.

7.00 Uhr: Der Schweizer Staat steigt vorerst nicht aus seinem Engagement bei der Großbank UBS aus. Bisher seien keine Entscheidungen zur vorzeitigen Wandlung oder Veräußerung der Pflichtwandelanleihe über sechs Milliarden Franken getroffen worden, teilte das Berner Finanzministerium am Dienstag zum Ablauf der sechsmonatigen Verkaufssperre für die Anleihe mit. Die Schweizer Finanzverwaltung prüfe im Auftrag des Ministeriums verschiedene Transaktionsmöglichkeiten und führe zu diesem Zweck mit verschiedenen Parteien Gespräche, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Regierung werde zu gegebener Zeit entscheiden. Die Pflichtwandelanleihe ist Teil des im Oktober beschlossenen Rettungspakets für die UBS. Seit Dienstag kann der Bund das Darlehen grundsätzlich vorzeitig in Aktien umwandeln oder auch an Investoren verkaufen. Für die Wandlung gilt ein Mindestpreis von 18,21 Franken. Das Finanzministerium erinnerte an frühere Aussagen der Regierung, wonach diese das Engagement bei der Großbank als befristet betrachtet.

6.30 Uhr: Im Ringen um eine radikale Neuordnung der deutschen Landesbanken loten mehrere deutsche Spitzenpolitiker heute (Dienstag) in Luxemburg mit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes Kompromisslinien aus. Neben Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) nehmen Diplomaten zufolge Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), sein baden-württembergischer Amtskollege Günther Oettinger (CDU) sowie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) teil. Das Treffen findet am Rande von Beratungen der 27 EU- Finanzminister statt, an denen Steinbrück und Kroes teilnehmen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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