Freitag, 20. September 2019

Irland Der gezauste keltische Tiger

Standard & Poor's setzt Irland unter Druck, indem es seine Bonität reduziert. Darunter leidet auch der Euro. Als Grund für die Abstufung nennt die Ratingagentur die unerwartet hohen staatlichen Hilfen für den Bankensektor.

Dublin - Das Debakel im irischen Bankensektor erhöht nach Einschätzung der führenden Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Gefahr eines Staatsbankrotts. S&P senkte am Montag bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten seine Note für die Kreditwürdigkeit des ehemaligen "keltischen Tigers", weil Staatshilfen für die Geldhäuser das ohnehin ausufernde Haushaltsdefizit aufblähen. Die Agentur warnte zugleich, die Bonität könne sich noch weiter verschlechtern, falls sich die Probleme der Institute verschärfen.

Letzte Bastion Glauben: Irlands Wirtschaft geht es schlecht
AP
Letzte Bastion Glauben: Irlands Wirtschaft geht es schlecht
Als Grund für die Herabstufung nannte S&P die unerwartet hohen staatlichen Hilfen für den Bankensektor, der wegen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und nach dem Platzen der Immobilienblase unter hohen Kreditausfällen leidet. S&P klagte etwa über hohe Verluste bei der verstaatlichten Anglo Irish Bank. Zudem berge das "Bad Bank"-Programm der Regierung große Risiken für den Staatshaushalt. Die Regierung wird für bis zu 90 Milliarden Euro "toxische Papiere" der Banken übernehmen. Theoretisch könnte dies die staatliche Gesamtverschuldung auf über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung aufblähen - nach 41 Prozent im vergangenen Jahr.

Am Rentenmarkt stieg in Folge der Abwertung die Risikoprämie für irische Staatsanleihen an: Zehnjährige Papiere rentierten 2,04 Prozentpunkte höher als die richtungweisenden deutschen Titel nach zuvor 2,00 Prozentpunkten. Um Anleihen im Wert von zehn Millionen Euro für ein Jahr gegen Ausfall zu versichern, mussten Anleger 221.000 Euro auf den Tisch legen - 6000 Euro mehr als vor der Herabstufung.

An den internationalen Finanzmärkten geht also die Angst um, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise die Kreditwürdigkeit der westlichen Industriestaaten ernsthaft in Mitleidenschaft ziehen und damit letztendlich sogar ihre Zahlungsfähigkeit bedrohen könnte.

Darunter leidet auch der Euro, der zum Start der neuen Woche deutlich gefallen ist. Eine erneute Herunterstufung der Kreditwürdigkeit Irlands durch S&P sowie Spekulationen über eine baldige Anhebung des Leitzinses in den USA ließen die Gemeinschaftswährung am Montag bis auf 1,3806 Dollar sinken. Noch am Freitag waren biszu viereinhalb Cent mehr für einen Euro gezahlt worden. Auch die niedrige Wahlbeteiligung bei der Europawahl wurde Analysten zufolge am Markt zumindest teilweise als Misstrauensvotum für den Euro gewertet. Bis zum Nachmittag erholte sich der Euro aber etwas und notierte um 1,3870 Dollar.

S&P hatte Ende Mai gewarnt, dass sogar Großbritannien wegen der Krise seine Bestnote einbüßen könnte. Daraufhin wuchsen auch die Sorgen über die Kreditwürdigkeit des weltgrößten Schuldners USA. Das Toprating Deutschlands ist jedoch nach einhelliger Expertenmeinung bislang nicht in Gefahr.

Mit der Einstufung "outlook negativ" signalisierte die Agentur zudem, dass eine weitere Verschlechterung der Kreditwürdigkeit nicht unwahrscheinlich ist. Erst im März hatte das Land wegen der Haushaltsnotlage die wertvolle Bestnote "AAA" verloren - das Land muss nun höhere Zinsen zahlen. Finanzminister Brian Lenihan erklärte, die Herabstufung reflektiere vor allem vergangene Entwicklungen. Dank seiner Politik sei Irland aber nun auf dem richtigen Weg.

Die Herabstufung kommt für die Regierung zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: Sie muss sich am Dienstag wegen der Schlappe bei der Regional- und der Europawahl einem Misstrauensvotum stellen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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