Arcandor/Metro Verwirrung nach Krisengipfel

Arcandor und Metro haben ihr Krisengespräch beendet, doch über die Ergebnisse sind sie sich selbst nicht im Klaren. Nachdem zunächst von einem konkreten Verhandlungsplan die Rede war, wurden plötzlich nur noch "allgemein Möglichkeiten diskutiert". Fest steht: Die Verhandlungen werden schleunigst fortgesetzt.

Düsseldorf/Köln - Die Rettung für Arcandor  schien näher zu rücken, doch bereits nach einer halben Stunde zog die Metro  eine Erklärung zum angepeilten Zusammengehen der Kaufhausketten Karstadt und Kaufhof zurück. "Bitte ignorieren Sie das vor ca. 30 Minuten verschickte Statement", hieß es ohne Angabe von Gründen.

In der neuen Erklärung wurden die Formulierungen abgeschwächt. Nun heißt es lediglich, alle Beteiligten hätten einen konstruktiven Beitrag zur Bildung einer Warenhaus AG zugesagt. Zuvor hatte es geheißen, es sei Gemeinsamkeit darüber erzielt worden, in konkrete Gespräche über die Bildung einer Deutschen Warenhaus AG einzutreten.

Auch von einem "gemeinsamen Verhandlungsfahrplan" ist nun nicht mehr die Rede. Jetzt heißt es lediglich: "In dem Gespräch wurden die unterschiedlichen Szenarien zur Rettung der Karstadt-Warenhäuser und einer möglichen Bildung einer Warenhaus AG diskutiert." Unverändert zur ersten Version blieb, dass die Gespräche in der kommenden Woche fortgesetzt werden sollen.

Zuvor war bekannt geworden, dass sich die Handelskonzerne nicht über die Bewertung der Karstadt-Warenhäuser bei einer Zusammenlegung mit der Kaufhof-Kette einig wurden. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick habe "überhöhte Forderungen gestellt", sagte ein Metro-Sprecher der Deutschen Presseagentur dpa nach einem zweistündigen Krisentreffen. Auch über die Anzahl der Häuser, die in die Deutsche Warenhaus AG übernommen werden sollen, sei keine Einigung getroffen worden.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick betonte, mit den Verhandlungen über die Deutsche Warenhaus AG erfülle man eine der von der Politik formulierten Voraussetzungen für die Bewilligung des beantragten staatlichen Rettungsdarlehens für Arcandor. Sie könne diese Hilfen aber nicht ersetzen. Entscheidungen über die staatliche Unterstützung von Arcandor würden am Montag erwartet.

Verhängte Schaufenster und Mahnwachen

Zu dem Krisengespräch am Sonntag trafen sich Eick, Metro-Chef Eckhard Cordes, der Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs , Alexander Dibelius, sowie der Arcandor-Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Carl Janssen, der den Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim vertritt.

Karstadt und Kaufhof haben zusammen mehr als 50.000 Beschäftigte. Sie befürchten einen deutlichen Stellenabbau. Arcandor  steht unter dramatischem Zeitdruck: Der Konzern hatte am Samstag gewarnt, dass er sofort Insolvenz anmelden müsse, wenn die Bundesregierung den beantragten Notkredit von 437 Millionen Euro am Montag ablehne. Am 12. Juni läuft ein 650-Millionen-Euro-Kredit an Arcandor aus. Spätestens bis dahin muss eine Lösung stehen.

Die Bundesregierung zeigte sich bisher skeptisch gegenüber Staatshilfen für Arcandor. "Wir können nicht zulassen, dass der Steuerzahler dafür einspringen muss, dass andere eine Misswirtschaft betrieben haben und heute nicht für den Schaden eintreten wollen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Heidelberg. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) forderten als Voraussetzung für eventuelle staatliche Hilfen unter anderem ein stärkeres Engagement der Eigentümer.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rief Merkel eindringlich zu staatlichen Hilfen auf. "Ohne die Hilfe der Politik geht es nicht. Die Rettungsbeihilfe muss am Montag kommen", verlangte die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Margret Mönig-Raane zusammen mit Betriebsräten.

Die Karstadt-Beschäftigten veranstalteten unterdessen Protestaktionen, um die Politik zu Hilfen zu bewegen. In Wismar besetzten sie am Sonntag symbolisch des Karstadt-Stammhaus. An Montag wollen sie mit verhängten Schaufenstern in der ganzen Republik mahnen. Das solle den Kunden zeigen, wie ihre Innenstädte ohne Karstadt-Häuser aussehen würden, sagte die Karstadt-Betriebsrätin Gabriele Schuster. Außerdem sind in den nächsten Tagen bundesweit Mahnwachen geplant.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters

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