Sonntag, 22. September 2019

Karstadt-Filialen Arcandor stellt Mietzahlungen ein

2. Teil: Merkel und Guttenberg sehen Eigentümer in der Pflicht

Die Zeitungsartikel allein reichten jedoch nicht aus, um "ein strafbares Verhalten von Herrn Middelhoff - etwa wegen Untreue" zu behaupten. Deshalb müsse der Sachverhalt weiter aufgeklärt werden. "Ich würde es sehr begrüßen", so Zypries an Müller-Piepenköttter, "wenn durch die zuständige Justiz ihres Landes Klarheit über die juristische Bewertung der Vorgänge geschaffen werden könnte".

Karstadt-Filiale in Düsseldorf: "Es wäre gut, wenn sich eine Insolvenz vermeiden ließe"
Derweil forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut ein stärkeres Engagement der Eigentümer und Gläubiger zur Rettung des Unternehmens. "Bei Arcandor muss man zunächst einmal die Eigentümer und die Gläubiger stärker fordern, zumal es Teile des Konzerns gibt, die wirklich gesund sind, wie zum Beispiel der Touristikbereich", sagte Merkel der "BamS" nach einer Vorabmitteilung. In dem Unternehmen habe es zudem erhebliches Missmanagement gegeben. Deshalb sei es nicht einzusehen, "warum manche in der SPD den deutschen Steuerzahler mit einem Risiko belasten wollen und nicht vielmehr an diesen Ursachen ansetzen", kritisierte die CDU-Vorsitzende mit Blick auf Forderungen des Koalitionspartners, dem Unternehmen beizuspringen.

Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) knüpft eventuelle staatliche Hilfen für Arcandor Börsen-Chart zeigen an strenge Bedingungen. "Die Eigentümer des Unternehmens müssen nachprüfbar bereit sein, ihr Eigenkapital zu erhöhen", sagte Guttenberg dem SPIEGEL. Zudem brauche es ein "Stillhalteabkommen der Gläubigerbanken", andernfalls sei der Einsatz von Steuergeldern nicht zu rechtfertigen.

Guttenberg betonte, dass auch eine Insolvenz des Handels- und Touristikkonzerns nicht das Ende bedeuten müsse. "Es wäre gut, wenn sich eine Insolvenz vermeiden ließe. Aber selbst wenn sie nicht vermieden werden kann, würden nicht plötzlich alle Mitarbeiter auf der Straße stehen. Es bestünde die Möglichkeit, das Unternehmen zu restrukturieren und Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern."

Der Minister bestätigte dem SPIEGEL, dass er während der Verhandlungen über Staatshilfen für Opel vor gut einer Woche seinen Rücktritt erwogen habe. Dann habe er sich aber doch zum Weitermachen entschieden: "Niemandem wäre damit geholfen gewesen, wenn ich mich in die Schmollecke gesetzt hätte."

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

Seite 2 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung