Mittwoch, 26. Juni 2019

Arcandor in Not Kein Quantum Trost

Das Ringen um Arcandor und die Warenhauskette Karstadt geht weiter. Mit einem millionenschweren Notkredit will der Konzern sein Überleben für die nächsten Monate sichern. Ein Krisentreffen in Berlin brachte kein konkretes Ergebnis. Immerhin erklärten die Eigentümer aber offenbar, sich an der Rettung zu beteiligen.

Berlin - Der Touristik- und Handelskonzern Arcandor Börsen-Chart zeigen will mit einem Notkredit über 437 Millionen Euro sein Überleben für die nächsten Monate sichern. Einen entsprechenden Antrag auf Rettungsbeihilfen hat das Unternehmen bei der staatlichen KfW gestellt. Das Geld, das auch die EU-Kommission billigen muss, soll die Liquidität für zunächst sechs Monate ermöglichen.

Dunkle Wolken: Für Arcandor wird die Zeit knapp
Unterdessen rückt eine Fusion der Warenhausketten Karstadt (Arcandor) und Kaufhof (Metro) näher. Nach einem Treffen der Spitzen von Arcandor und Metro am Freitagnachmittag im Wirtschaftsministerium zeichnete sich aber noch keine Lösung ab. An dem Krisentreffen in Berlin unter Leitung von Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba nahmen auch Vertreter der Eigentümer, Gläubiger und Banken teil.

Otremba sagte nach dem gut zweistündigen Gespräch, es seien verschiedene Lösungsansätze besprochen worden. Dazu gehöre auch ein mögliches Zusammengehen mit Metro Börsen-Chart zeigen oder auch ein Alleingang von Arcandor. Die Eigentümer seien bereit, einen Beitrag zu leisten, sagte Otremba, ohne Details zu nennen. Über eine Brückenfinanzierung werde weiter beraten. Für Arcandor wird die Zeit knapp, da nach eigener Aussage die Insolvenz droht, wenn die überlebensnotwendige Finanzierung nicht bis zum 12. Juni steht.

Die finanzielle Stabilisierung des Unternehmens sei Voraussetzung für die Aufnahme von Gesprächen über ein gemeinsames Konzept mit der Metro AG, teilte Arcandor in Essen mit. Unabhängig vom Kreditantrag bemüht sich Arcandor beim Bund weiter um eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro aus dem "Wirtschaftsfonds Deutschland".

Eine Hilfe aus dem Deutschlandfonds für notleidende Unternehmen galt zuletzt aber als sehr unwahrscheinlich, da Arcandor ein wichtiges Kriterium nicht erfüllt. So wird bezweifelt, dass das Unternehmen erst mit der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise und in Schieflage geraten ist. Rettungsbeihilfen als Alternative hatte auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) angeregt.

Folge kann dann allerdings ein drastischer Kapazitätsabbau sein. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick betonte, Guttenberg und Vize-Kanzler Frank Walter Steinmeier (SPD) hätten dem Unternehmen "in persönlichen Gesprächen die Hand gereicht und uns diese Lösung empfohlen".

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