Donnerstag, 22. August 2019

Warenhauskrise Finanzlage von Arcandor verschärft

Arcandor hat seinen Antrag auf Staatshilfe in Höhe von 437 Millionen Euro eingereicht. Doch die Lage verschärft sich offenbar: Nach Meinung von Wirtschaftsprüfern verfügt die Karstadt-Mutter Arcandor über weniger Eigenkapital als bisher zugegeben. Es drohe die Überschuldung. Andere Experten halten das Unternehmen dennoch für sanierungsfähig.

Hamburg - Die Karstadt-Mutter Arcandor Börsen-Chart zeigen könnte in weitaus größeren Finanzschwierigkeiten stecken als von dem Essener Konzern bisher selbst bestätigt worden ist. Nach Meinung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) besitze Arcandor offenbar keineswegs mehr ein Eigenkapital von rund 1,2 Milliarden Euro. Denn seit dem letzten Konzernabschluss im September 2008 habe sich der Bestand laut PwC-Gutachten auf 177 Millionen Euro reduziert.

Dem Konzern drohe damit neben der Zahlungsunfähigkeit auch die Überschuldung, sollte der von Arcandor angestrebte Konsortialkredit bis zum 12. Juni nicht wunschgemäß verlängert werden. Das Gutachten liegt manager-magazin.de vor.

Anders als am Mittwoch von Arcandor-Finanzvorstand Rüdiger Günther dargestellt, besitze Arcandor offenbar keineswegs mehr ein Eigenkapital von rund 1,2 Milliarden Euro. Denn seit dem letzten Konzernabschluss im September 2008 habe sich der Bestand laut PwC-Gutachten auf 177 Millionen Euro reduziert. Dem Konzern droht dem Bericht zufolge damit neben der Zahlungsunfähigkeit auch die Überschuldung, sollte der Konsortialkredit bis zum 12. Juni nicht wunschgemäß verlängert werden.

Laut PwC-Papier rutschte der Betriebsgewinn (Ebit) von Oktober bis März auf ein Minus von 360 Millionen Euro. Unter dem Strich lag der Verlust bei 603 Millionen Euro nach einem Minus von 256 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Ein Arcandor-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Sie sollen erst am 18. Juni veröffentlicht werden.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bestätigte dem angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern einem Zeitungsbericht zufolge dagegen seine Sanierungsfähigkeit. "Nach unserer Auffassung ist das uns vorgelegte Konzept schlüssig und nachvollziehbar. Das Unternehmen ist unter dem im Konzept genannten Bedingungen sanierungsfähig", zitiert die "Welt" aus einem Gutachten von KPMG. Die KPMG-Untersuchung hatten die Kredit gebenden Banken in Auftrag gegebenen. Mit dem Gutachten sollte überprüft werden, ob das bereits vorgestellte Sanierungskonzept des Konzerns Erfolg versprechend ist.

Als Voraussetzung für eine dauerhafte Sanierung nennt KPMG, dass das Unternehmen wie angekündigt die anstehende Finanzierung von 1,86 Milliarden Euro sicherstellt. Darüber verhandelt Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick seit Wochen mit den Banken. Unabdingbar seien zudem "Beiträge Dritter", also vor allem der Verzicht von Lieferanten oder Vermietern auf Teile von Zahlungen, die ihnen eigentlich zustehen.

Auch Projekte wie der Verkauf der drei Premium-Warenhäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger innerhalb von drei Jahren seien notwendig, um die "Nachhaltigkeit des Erfolges zu sichern".

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