Gasversorgung Putin droht mit Lieferstopp

Wladimir Putin hat der Ukraine mit einem erneuten Gaslieferstopp gedroht. Falls die Ukraine nicht zahle, könne Gazprom Ende Juni oder Anfang Juli den Gashahn zudrehen. Der Gasstreit zwischen Moskau und Kiew hatte zu Jahresbeginn zu einer Blockade der Transitpipeline durch die Ukraine in die EU geführt.

Helsinki/Moskau - Der russische Regierungschef Wladimir Putin beklagte eine fehlende Unterstützung aus Brüssel im Gasstreit mit der Ukraine. "Alle unsere Anfragen bei der EU-Kommission blieben bislang erfolglos. Die Antwort lautete immer: 'Für die Ukraine haben wir kein Geld.'", sagte der frühere Kremlchef. Das sagte Putin am Mittwoch bei Gesprächen in der finnischen Hauptstadt Helsinki, wie die russische Agentur Interfax meldete.

Falls Kiew nicht zahle, sei der Gasmonopolist Gazprom  berechtigt, nur noch gegen Vorkasse zu liefern. "Und wenn es die Vorauszahlungen nicht gibt, fließt auch kein Gas mehr", so Putin.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte in der Vorwoche angekündigt, dass die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem Gipfeltreffen am 18. und 19. Juni das Thema Gaslieferungen ansprechen werden. Lange Zeit vertrat Brüssel den Standpunkt, dass Moskau und Kiew allein für die reibungslose Lieferung von russischem Gas durch die Ukraine in Richtung Westen verantwortlich seien. Russlands Präsident Dmitri Medwedew sagte dagegen in Gorki bei Moskau, dass eine Regelung allein zwischen beiden Ländern nicht funktioniere. Zugleich kündigte Moskau an, ohne Hilfe aus Brüssel keinen Milliardenkredit an die Ukraine zu zahlen.

Nach der Einigung zwischen Russland und der Ukraine zu Jahresbeginn hatten sich beide Seiten erneut über Zahlungsmodalitäten zerstritten. Die vor dem Staatsbankrott stehende Ukraine muss Medienberichten zufolge in den nächsten Monaten Gas im Wert von 3,5 Milliarden Euro in ihre leeren Speicher pumpen, um ab Herbst reibungslos an die Abnehmer im Westen liefern zu können.

Dem benachbarten Finnland hat Putin "zuverlässige Energielieferungen in unbegrenzter Höhe" versprochen. Nach einem Gespräch mit seinem Kollegen Matti Vanhanen warb Putin auch mit der Ankündigung von Zollerleichterungen für die akut angeschlagene finnische Holzindustrie um Sympathiepunkte. Beide Länder teilen eine 1200 Kilometer lange Landgrenze.

Erst vor gut einem Monat hatte Staatspräsident Dmitri Medwedew Finnland einen offiziellen Besuch abgestattet. Zentrales Thema war auch dabei der geplante Bau der mehr als tausend Kilometer langen Nord-Stream-Gasleitung vom russischen Vyborg nach Greifswald in Deutschland. Finnlands Regierung steht dem Projekt deutlich positiver gegenüber als das benachbarte Schweden sowie die baltischen Länder und Polen.

manager-magazin.de mit Material von dpa