KfW Porsche will 1,75 Milliarden Euro

Der hoch verschuldete Autobauer Porsche will bei der staatseigenen KfW-Bank einen Kreditantrag über 1,75 Milliarden Euro stellen. Das Geld braucht der Sportwagenhersteller vor allem zur Finanzierung des laufenden Geschäfts. Porsche sucht seit Wochen mit Hochdruck nach Geldgebern, um Finanzlöcher zu stopfen.

Stuttgart - Porsche  hofft auf einen Milliardenkredit der Staatsbank KfW, um seine Finanzlöcher zu stopfen. Der Sportwagenbauer werde einen Kreditantrag über 1,75 Milliarden Euro stellen, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch in Stuttgart. Porsche wolle keine staatliche Bürgschaft und werde den marktüblich verzinsten Kredit vollständig zurückzahlen.

"Wir wollen kein Geld auf Kosten der Steuerzahler", sagte der Sprecher. Er wisse nicht, wann die KfW über den Darlehensantrag entscheide. Zur geplanten Laufzeit des Darlehens machte das Unternehmen keine Angaben. Das Geld braucht der Hersteller vor allem zur Finanzierung des laufenden operativen Geschäfts.

Unterstützung bekommt Porsche von der baden-württembergischen SPD- Landtagsfraktion. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert Fraktionschef Claus Schmiedel, die KfW solle dem Unternehmen unter die Arme greifen. Zu den Erfolgsaussichten des Porsche-Antrags äußerte sich Schmiedel zuversichtlich: "Auch der Bundeskanzlerin sind die momentanen Probleme deutscher Unternehmen mit der Kreditversorgung bewusst."

Gegen eine Unterstützung Porsches durch die KfW mit Hilfe von Steuergeldern hatte vor allem Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) Front gemacht. Niedersachsen ist mit rund 20 Prozent der Stimmrechte bei Volkswagen zweitgrößter Aktionär und hat sich mit allen Mitteln gegen Bestrebungen Porsches gewehrt, Volkswagen zu beherrschen. Das VW-Gesetz sichert Niedersachsen umfangreiche Sonderrechte zu.

Neun Milliarden Euro Schulden

Der Stuttgarter Konzern hat im Zuge der Übernahme der VW-Stimmrechtsmehrheit einen Schuldenberg von rund neun Milliarden Euro angehäuft. Im März hatte Porsche mit einem Bankenkonsortium eine bestehende Kreditlinie über zehn Milliarden Euro um ein Jahr verlängert und verhandelt seitdem über weitere 2,5 Milliarden Euro Darlehen zur laufenden Finanzierung des Unternehmens. 750 Millionen Euro hat sich Porsche inzwischen bei einer japanischen Bank gesichert, für die restlichen 1,75 Milliarden Euro sucht Porsche jedoch immer noch Geldgeber.

Auch ein Investor könnte bei Porsche Geld in die Kasse spülen. Die Verhandlungen mit privaten Geschäftsbanken liefen ungeachtet des KfW-Antrags weiter, sagte der Porsche-Sprecher. Die Gespräche mit Interessenten "laufen gut", so der Sprecher weiter. Dem Vernehmen nach reden die Stuttgarter dabei auch mit dem Emirat Katar.

Wie viele andere Unternehmen kämpft der bis zuletzt hochrentable Autobauer mit den verschärften Bedingungen auf den Kreditmärkten. Die Banken verlangen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise höhere Zinsen und sind vorsichtiger mit der Vergabe neuer Kredite geworden. Diese Kreditknappheit bei den großen Geschäftsbanken will Porsche mit dem Darlehensantrag bei der staatlichen KfW umschiffen: "Wenn neue Kredite knapp sind, dann muss man auf die KfW zurückgreifen können", sagte eine mit der Situation vertraute Person.

Anfang Mai hatten sich die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch darauf verständigt, dass Porsche und Volkswagen  in einem integrierten Autokonzern zusammengeführt werden sollen. Derzeit verhandeln die Vorstände von VW und Porsche über die künftige Struktur. Angaben zum Stand der Gespräche machte der Porsche-Sprecher nicht.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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