Freitag, 15. November 2019

Hypo Real Estate Aktionäre contra Steuerzahler

Abgesang auf eine Aktiengesellschaft: Unter der Wut Tausender Kleinanleger hat sich der Bund der Pleitebank Hypo Real Estate bemächtigt. Die Aktionäre wollen ihren Einfluss teuer verkaufen - mehr oder weniger legitime Interessen prallen aufeinander. Der Staat findet sich in einer ungewollten Rolle wieder.

Hamburg/München - Nur ein Punkt stand auf der Tagesordnung, doch die außerordentliche Hauptversammlung der Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen (HRE) am Dienstag dauerte zwölf Stunden. Und das, obwohl das Ergebnis im Münchener Kongresszentrum ICM von vornherein feststand: eine Kapitalerhöhung, die dem staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin eine 90-Prozent-Mehrheit der Aktien verschafft und damit den Weg für die Abfindung der verbliebenen freien Aktionäre ebnet.

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Für den Soffin konnte bei der Abstimmung dank seiner Stimmenmehrheit nichts schiefgehen. Die 25 Prozent Nein-Stimmen kamen überwiegend von den Fonds um US-Investor J. C. Flowers, der seit Monaten mit dem Bund über Kreuz liegt, weil er sein Milliardeninvestment in die HRE nun wohl nach einem Jahr abschreiben muss. Die Mehrheit der in der Abstimmung vertretenen freien Aktionäre muss mit dem Soffin für die Kapitalerhöhung gestimmt haben.

Dennoch konnten Besucher des Aktionärstreffens den Eindruck gewinnen, der Bund stehe weniger einem Zocker aus Amerika als den Volksmassen der Kleinanleger gegenüber. Flowers verzichtete auf einen persönlichen Auftritt, dafür kamen rund 2000 Aktionäre, stellten 27 Gegenanträge und hielten mehr als 50 Reden. Es war ein Abgesang: auf einen ehemaligen Dax-Konzern, auf die verblasste Größe der privaten Finanzindustrie, auf die bescheidene Aktienkultur in Deutschland.

Die Atmosphäre war feindselig, der Ton aggressiv. Von "Raub" und "Erpressung", "Willkür" und "Aktionärsverarschung" war die Rede. Sogar zu Vergleichen wie "Ermächtigungsgesetz" oder "Diktatur" griffen manche aufgebrachte Redner. Traurige Geschichten waren zu hören, wie die einer Aktionärin, die für die Altersvorsorge ihrer behinderten Tochter auf HRE-Aktien gesetzt hatte.

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