Freitag, 20. September 2019

Hypo Real Estate Aktionäre contra Steuerzahler

4. Teil: Wie systemrelevant ist die HRE - und wie lange noch?

Um auf 90 Prozent aufzustocken, muss der Soffin nun fast drei Milliarden Euro zahlen, weil die neuen Aktien zum Nennwert von drei Euro ausgegeben werden. Und die Abfindung der verbliebenen freien Aktionäre dürfte mindestens weitere 170 Millionen Euro kosten.

Deshalb bemühte sich Rehm auch um eine Erklärung an die Adresse der Steuerzahler. Die HRE pleitegehen zu lassen sei keine Alternative, da dies noch gravierendere Konsequenzen hätte, als der Untergang der Investmentbank Lehman Brothers im September, behauptete der Soffin-Sprecher. Nachweisen lässt sich diese Aussage freilich nicht. Die Bilanzsumme der HRE ist mit gut 400 Milliarden Euro nahe dem Wert von Lehman vor der Pleite, die Verflechtung mit anderen Großbanken ist nicht ganz so groß.

Als "systemrelevant" gilt die HRE wohl vor allem wegen ihrer Rolle als größter Emittent von Pfandbriefen, die als Mittel für die günstige Finanzierung von Banken und Staaten ebenso bedeutend sind wie als Geldanlage mit dem Ruf besonderer Sicherheit. Allerdings wird der Pfandbriefmarkt inzwischen noch auf andere Weise gestützt. Die Europäische Zentralbank stellt 60 Milliarden Euro bereit, um mit Hypotheken besicherte Papiere aufzukaufen. Überdies erfreut sich das Instrument wachsender Beliebtheit. Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen brachte gerade ihren ersten Jumbo-Pfandbrief über eine Milliarde Euro an den Markt.

Wenn Wieandts Mannschaft die vom Staat diktierte Sanierung der HRE zu Ende verfolgt, wird die Bank weniger systemrelevant sein. Wieandt will die HRE auf die Hälfte ihrer bisherigen Größe gesundschrumpfen und aus allem heraushalten, was Risiko (aber ebenso Ertrag) verspricht. Das mit der Tochter Depfa (Deutsche Pfandbriefbank) verbundene Geschäft der Staatsfinanzierung soll aufgegeben werden, in der Immobiliensparte werden nur noch Bestandskunden gepflegt.

Trotz des Sparkurses rechnet Wieandt auf Jahre mit weiteren Verlusten. Die verbliebenen Aktionäre dürfen auf der regulären Hauptversammlung am 13. August ihrem Ärger Luft machen. Den übrigen Steuerzahlern bleibt die Rolle als stumme Zuschauer.

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