Donnerstag, 20. Juni 2019

Hypo Real Estate Aktionäre contra Steuerzahler

3. Teil: Zocken auf höhere Abfindung - der Staat zahlt

Mit demselben Argument hatten Analysten den Aktionären im April geraten, das Übernahmeangebot des Soffin zu 1,39 Euro je Aktie anzunehmen. "Der Preis ist mehr als fair", sagte damals Konrad Becker von Merck Finck. Denn ohne Staatshilfe wäre die HRE längst bankrott und "der Wert der Aktien wäre dann null". Selbst die DSW hatte das Übernahmeangebot - wenn auch nur "mangels Alternative" - als "attraktiv" bezeichnet.

Wer dennoch bis heute dabeiblieb und die 1,39 Euro ausschlug, das ging in der Wut der Aktionäre unter, pokert selbst - vor allem auf eine höhere Abfindung. Anders ist nicht zu erklären, dass der Aktienkurs am Mittwoch über 1,50 Euro stieg. Manche Besucher der Hauptversammlung schienen ihre Aktien auch eher aus Schaulust, quasi als Eintrittskarte zu einem großen Spektakel, gekauft zu haben. "So eine Übernahme durch Papa Staat, das wollen wir noch erleben", erklärte ein Rentner - und verglich den Wert der Brezel, die er aß, lachend mit seiner Dividende.

Völlig gegen den Staatseinstieg sprach sich in München niemand aus. Einige Aktionäre äußerten wie zuvor schon J. C. Flowers den Wunsch, ihren wegen der Kapitalerhöhung verwässerten Anteil behalten zu dürfen und so auf eine Kurserholung im Windschatten der staatlich betriebenen Sanierung hoffen zu dürfen - genauso werde es ja auch bei vielen anderen großen Rettungsaktionen für Banken wie der Commerzbank oder der HSH Nordbank (ebenso mit Flowers an Bord) gehandhabt. Flowers pocht auf Gleichbehandlung.

Rehm versuchte das Vorgehen des Soffin zu erklären. Der Bund sei bereit, die HRE als "systemrelevante" Bank zu retten, wolle sich dabei aber nicht durch Einzelinteressen von Altaktionären behindern lassen. Deren Interessen dürften nicht in Konflikt mit denen der Allgemeinheit geraten können - und das sei nur mit 100 Prozent Staatsanteil sicher. "Dies schulden wir nicht zuletzt dem Steuerzahler", sagte Rehm.

In der Tat stehen die Interessen der Aktionäre mit denen der Steuerzahler in Widerspruch. Die Beteiligung der Hypo Real Estate ist teuer - womöglich teurer als nötig. Schon vor der jetzt beschlossenen Kapitalerhöhung hat der Soffin 180 Millionen Euro für seinen 47-Prozent-Anteil gezahlt, mehr als die gesamte HRE vor der Übernahme an der Börse wert war. Das Übernahmeangebot von 1,39 Euro lag 10 Prozent über dem gesetzlichen Mindestpreis - ein Geschenk an die Aktionäre.

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