Opel Magna will nach Kanada exportieren

Opel darf auch nach dem Rückzug von General Motors vorerst nicht auf den US-Markt und nach China. Doch der künftige Eigner hat trotzdem große Pläne: Magna will Opel-Modelle auch in Kanada verkaufen. Der deutsche Autobauer bedankt sich mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen, und Russland rechnet mit einem Technologietransfer.

Ottawa - Der neue Eigner gibt sich noch zurückhaltend: Opel wird nach Einschätzung von Magna-Chef Frank Stronach erst in vier Jahren wieder Gewinn machen. Der umgebaute Autohersteller werde mit einer neuen Modellpalette binnen drei Jahren aus den roten Zahlen herauskommen und im vierten Jahr wieder profitabel arbeiten, sagte Stronach am Dienstag in Ottawa. Der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna  und die russische Sberbank  wollen Opel in den kommenden Monaten übernehmen.

Als ersten Schritt will der neue Opel-Besitzer neue Märkte erschließen. Magna wolle ab Ende des Jahres Opel-Autos auch nach Kanada exportieren und dort verkaufen, sagte Stronach der Zeitung "Toronto Star". In Ottawa kündigte er an, Magna wolle in den kommenden Jahren auch Opel-Modelle in Kanada bauen. Einen genauen Zeitpunkt dafür nannte er allerdings nicht. Dieser stehe noch nicht fest, sagte eine Magna-Sprecherin.

Für den US-Markt seien die Opel-Autos nicht bestimmt, sagte Stronach. Opel werde seiner Mutter General Motors  (GM) auf deren Heimatmarkt keine Konkurrenz machen. Dies könne sich allerdings nach ein paar Jahren ändern, fügte er hinzu.

Opel baute seinen Marktanteil in Deutschland in der Krise aus. Er stieg im Mai nach Werksangaben mit 39.256 Zulassungen auf 10,2 Prozent nach 10,0 Prozent im April. Im Mai des Vorjahres hatte das Unternehmen noch gut 14.000 Autos weniger verkauft. Bereits zum vierten Mal in Folge belege man damit im Mai den zweiten Rang in der Statistik, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Rüsselsheim mit. Spitzenreiter bleibt Volkswagen .

Die Opel-Geschäftsführung, Mitarbeiter und Betriebsrat bedankten sich in mehreren überregionalen Tageszeitungen für die Anstrengungen zur Rettung des Autobauers. Darin heißt es: "Mit der von der Bundesregierung zugesagten Brückenfinanzierung sind wir dem Ziel, die Zukunft von Opel unabhängig von den weiteren Entwicklungen bei GM zu sichern, ein großes Stück näher gekommen." Dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem "zukunftsfähigen Unternehmen, das mit weiteren Investoren begeisternde Autos auf den Markt bringen wird".

Russland erwartet Zugewinn an Arbeitsplätzen

Der stellvertretende russische Ministerpräsident Sergej Iwanow erhofft sich vom Einstieg der Sberbank bei Opel einen weitreichenden Technologietransfer in die russische Autoindustrie. "Der Einstieg kann ein gutes Beispiel für Kooperationen im Hightechbereich werden. Wir sind einem deutschen Autogiganten zu Hilfe gekommen, versprechen uns davon aber auch Vorteile" zitiert der "Rheinischen Merkur" den Politiker.

Eine Zusammenarbeit im Industriebereich sei ein wichtiger Faktor, um gegenseitiges Vertrauen zu schaffen, erklärte Iwanow. Zudem erwartet er den Angaben zufolge einen deutlichen Zugewinn an Arbeitsplätzen beim russischen Hersteller Gaz. "Nur noch die Stoßstange anschrauben, so wie einst bei BMW in Kaliningrad - die Nummer läuft nicht mehr", sagte Iwanow. Gaz und die Sberbank wollen gemeinsam mit ihrem Partner Magna rund 55 Prozent an Opel übernehmen.

Der CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sieht nach der Opel-Rettung derweil viele offene Fragen. "Es sind längst noch nicht alle Fragen geklärt", sagte er der Würzburger "Main-Post".

Trotz der Vorentscheidungen des Wochenendes müsse in vielen Fragen weiter verhandelt werden, etwa was die Sicherheit des Überbrückungsdarlehens von 1,5 Milliarden Euro angehe. "Magna und die Sberbank in Russland dürfen auf keinen Fall glauben, sie könnten ein Investorenrisiko auf den deutschen Steuerzahler abwälzen. Das ist für mich ein Knackpunkt", sagte Ramsauer.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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