Samstag, 21. September 2019

HRE Verstaatlichung beschlossen

Der Weg für die Verstaatlichung der Hypo Real Estate ist frei. Trotz wütender Proteste von Kleinaktionären stimmte die HRE-Hauptversammlung der notwendigen Kapitalerhöhung zu. Damit kann der Bund seinen Anteil an der Bank sofort von 47 auf 90 Prozent erhöhen und anschließend die übrigen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen.

München - Die Hauptversammlung der Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen (HRE) hat dem Bund freie Hand zur Verstaatlichung der Bank gegeben. Die Aktionärsversammlung erlaubte dem Bankenrettungsfonds Soffin am Dienstagabend mit 73,95 Prozent der anwesenden Stimmen, seinen Anteil an der Pfandbriefbank durch den Kauf neuer Aktien für bis zu 5,64 Milliarden Euro von 47 auf weit über 90 Prozent zu erhöhen.

Eröffnete die HV: HRE-AR-Chef Michael Endres
Der Soffin werde der Bank rasch rund drei Milliarden Euro frisches Kapital zur Verfügung stellen und damit auf 90 Prozent aufstocken, sagte HRE-Chef Axel Wieandt. Anschließend wolle der Soffin alle verbliebenen Aktionäre auszahlen und somit 100 Prozent übernehmen.

Die Bank sei ohne die Staatsbürgschaften über 100 Milliarden Euro sowie weitere kräftige Kapitalerhöhungen nicht überlebensfähig, betonte Wieandt. "Wir hätten bereits Insolvenz beantragen müssen", sagte er. Wegen hoher Abschreibungen und drohenden Kreditausfällen bei Gewerbeimmobilien sei dieses und nächstes Jahr erneut mit roten Zahlen zu rechnen. Weil der Staat die investierten Steuergelder sichern wolle, sei eine 100-prozentige Übernahme ohne Alternative.

Aktionärsschützer warfen nicht nur dem früheren Bankvorstand, sondern auch den Aufsichtsbehörden Versagen vor: "Jetzt müssen wir denen, die für den ganzen Mist verantwortlich sind, auch noch unsere Aktien geben", empörte sich Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). SdK-Sprecher Petersen sagte, der Staat führe sich auf "wie eine Heuschrecke". Eine vollständige Verstaatlichung sei unnötig und widerrechtlich, sagte seine Kollegin Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Mit Pfeifkonzerten, Buhrufen und Sprechchören machten Kleinaktionäre ihrer Empörung Luft. Der Chef des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin, Hannes Rehm, wurde niedergebrüllt, als er vor den 1.900 versammelten Anlegern sagte, die HRE könne "nicht mit einer bloßen Mehrheitsbeteiligung des Staates" gerettet werden.

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