Freitag, 22. November 2019

GM Hummer unter dem Hammer

Kurz nach dem Insolvenzantrag hat General Motors einen Abnehmer für sein Sorgenkind, die ehemalige Prestigemarke Hummer, gefunden. Der US-Autokonzern legte eine vorläufige Vereinbarung zum Verkauf vor. Außer Hummer will GM bis Jahresende auch die Marken Saab und Saturn abstoßen.

Shanghai/Tokio - Mit dem Abschluss des Geschäfts sei am Ende des dritten Quartals zu rechnen, teilte General Motors Börsen-Chart zeigen (GM) am Dienstag mit. Monatelang hatte GM nach einem Käufer für Hummer gesucht. Der große und schwere Geländewagen, der ursprünglich für das Militär konstruiert wurde, verbraucht viel Treibstoff und trifft in der Wirtschaftskrise auf immer weniger Kundeninteresse. Wegen der Rückschläge auf dem US-Markt sucht GM nun sein Heil verstärkt auf dem asiatischen Markt.

An dem aus dem Militärfahrzeug Humvee hervorgegangenen Auto scheiden sich in den USA die Geister: Gegner sehen es als Inbegriff sinnloser Verschwendung, Fans schätzen seine PS-starke Geländegängigkeit. Zum Kaufpreis machte GM keine Angaben. Dem "Wall Street Journal" zufolge erhielt der Konzern für die Marke Hummer Angebote in Höhe von etwa 500 Millionen Dollar (353 Millionen Euro). Außer Hummer will GM bis Jahresende auch die Marken Saab und Saturn abstoßen. Bereits beschlossen ist das Ende der Marke Pontiac.

Besonders im US-Heimatmarkt, wo GM einen Großteil der Hummer-Modelle verkaufte, brach der Absatz im vergangenen Jahr um 51 Prozent ein. Deshalb gilt es unter Experten als ausgeschlossen, dass GM in Amerika oder Europa einen Käufer für den Spritschlucker gefunden hat. Auch dass sich ein russischer Oligarch den Hummer als prunkvolle Trophäe zulegen will, wie einst von Bankern gemutmaßt, gilt als unwahrscheinlich. Noch vor wenigen Jahren galt der Geländewagen, den GM 1999 vom Militärfahrzeughersteller AM General kaufte, als Kultfahrzeug.

Experten spekulieren, dass der künftige Hummer-Besitzer ein arabischer Investor sein dürfte. GM hatte bereits in der Vergangenheit wiederholt von Anfragen aus den Golfstaaten berichtet. Auch indischen und chinesischen Herstellern wird Interesse nachgesagt. Ihnen könnte mit dem Hummer der Einstieg in den amerikanischen Markt gelingen.

Für seinen Restrukturierungsprozess sieht GM vor allem in Asien gute Chancen. Während in den USA zahlreiche Werke geschlossen würden, müsse in China innerhalb der kommenden fünf Jahren voraussichtlich ein neues Werk gebaut werden, sagte der Chef von GM China, Kevin Wale. Nur so könne das Ziel erreicht werden, auf dem weltweit größten Automarkt zwei Millionen Fahrzeuge zu verkaufen. Allein im Mai habe GM seinen Absatz in China um 75 Prozent gesteigert, fügte Wale hinzu. Wenn sich dieses "phänomenale Wachstum" in diesem Monat fortsetze, könne GM sein Ziel heraufsetzen, seinen Absatz im Gesamtjahr um bis zu zehn Prozent zu steigern. Im Mai hatte GM in China 156.000 Autos verkauft.

Auch bei anderen Pressekonferenzen im asiatisch-pazifischen Raum äußerten sich GM-Manager optimistisch. Mit geringeren Fertigungskosten repräsentiere die Region einen Teil des neuen Konzerns, hieß es. GM soll in zwei bis drei Monaten verschlankt und weitgehend entschuldet aus dem Gläubigerschutz hervorgehen.

"Wir sind sicher: Wir sind Teil der neuen GM", sagte der Chef der australischen GM, Mark Reuss. GM hatte bereits bekanntgegeben, dass für das Asien-Geschäft keine Finanzspritzen von der Unternehmensführung in den USA nötig sei, auch wenn es finanzielle Probleme in einigen Ländern wie etwa Südkorea und Thailand gebe.

GM hatte zwei Tage nach der Grundsatzeinigung über eine Herauslösung seiner deutschen Tochter Opel am Montag Antrag auf Gläubigerschutz eingereicht. Der Autogigant will sich gut hundert Jahre nach seiner Gründung in der Insolvenz sanieren und neu ausrichten. Elf Werke in den USA sollen geschlossen werden, Tausende der 92.000 Stellen in den USA fallen dabei weg. Zudem will der einst größte Autobauer einzelne Marken abstoßen oder einstellen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und afp

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