Mittwoch, 1. April 2020

Staatshilfe Prüfer zeigen Arcandor die rote Karte

Arcandor droht die Insolvenz. Laut Unterlagen, die manager-magazin.de vorliegen, sprechen staatlich eingesetzte Wirtschaftsprüfer dem Unternehmen die nötige Substanz für die erhoffte Staatsbürgschaft ab. Eine Bürgschaft, die nach Arcandor-Angaben Voraussetzung ist, um den Untergang abzuwenden.

Essen - Eines der prominentesten deutschen Unternehmen steht kurz vor dem Abgrund. Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) haben Arcandor Börsen-Chart zeigen in einem Gutachten die Eignung für Staatshilfen abgesprochen. Das hat manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfahren. Arcandor selbst wollte bisher nicht Stellung nehmen, PwC ebenfalls nicht. manager-magazin.de liegt das Gutachten in Auszügen vor.

In erheblicher Bedrängnis: Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Bundesregierung betrachten Staatsbürgschaften für Arcandor als riskant
Die Wirtschaftsprüfer kommen in ihrer Untersuchung zu folgenden Schlüssen: Die Bürgschaftsübernahme sei mit erheblichen Risiken behaftet. Der Konzern verfüge mittlerweile praktisch über keine freie Substanz mehr. Darüber hinaus könnten künftige Beteiligungsverkäufe zu erheblichen Buchverlusten führen.

Schließlich widersprechen die PwC-Prüfer der Behauptung des Unternehmens, es sei durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten, was als Voraussetzung für Bundeshilfen gilt. Arcandor befinde sich vielmehr seit Jahren in Schwierigkeiten, wodurch die Liquidität des Unternehmens stetig aufgezehrt worden sei, urteilten die PwC-Prüfer rigoros.

PricewaterhouseCoopers ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums eine der Gesellschaften, die für die Bundesregierung prüfen sollen, ob Unternehmen, die in Berlin einen Antrag auf Staatshilfe aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise gestellt haben, überhaupt den Kriterien dafür genügen.

Das Ergebnis dieser Prüfung setzt Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick nun erheblich unter Druck. Am Donnerstag hatte sich der interministerielle Bürgschaftsausschuss der Bundesregierung erstmals vertraulich mit dem Antrag von Arcandor auf Staatsbürgschaften über 650 Millionen Euro befasst, hat das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt. Eick sagte anschließend, diese Gespräche seien "sehr gut verlaufen".

Der Aktienkurs Börsen-Chart zeigen des Unternehmens stieg daraufhin heute in der Spitze um etwa 10 Prozent auf 2,34 Euro. Mittlerweile bröckelte der Kurs zwar wieder leicht auf 2,27 Euro ab, was aber immer noch einem Kursplus verglichen mit dem gestrigen Schlusskurs von gut 6 Prozent entspricht.

Händler führten den Aufschwung vor allem auf die vermeintlich gestiegenen Aussichten für Staatsbürgschaften für Arcandor zurück. Doch genau gegen diese Bürgschaften haben sich nach Informationen von manager-magazin.de jetzt die PwC-Wirtschaftsprüfer der Bundesregierung entschieden ausgesprochen.

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