Dienstag, 2. Juni 2020

Staatshilfe Prüfer zeigen Arcandor die rote Karte

2. Teil: Nun auch KfW-Kreditverhandlungen belastet

Arcandor muss bis zum 12. Juni Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro bei seinen drei großen Gläubigerbanken BayernLB, Dresdner Bank und der Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen refinanzieren. Alle drei verlangen ein Sanierungskonzept für die defizitären Karstadt-Warenhäuser und den Quelle-Versandhandel sowie eine Absicherung der Kredite durch den Staat. "Wenn wir die Bürgschaft nicht erhalten, stünde Arcandor vor der Insolvenz", hatte Eick deshalb bereits vor Wochen zugegeben.

Muss mit Bürde weiterverhandeln: Arcandor-Chef Eick braucht Staatshilfe trotz negativer Expertenerkenntnisse
Aufgrund der Brisanz des staatlichen Prüfungsergebnisses hat der Arcandor-Vorstand das Ergebnis der PwC-Untersuchung dann auch umgehend an eigene Berater weitergeleitet. Nach Informationen von manager-magazin.de wurden unter anderem unverzüglich Partner des Berliner Beraterteams der Unternehmensberatung Roland Berger in Kenntnis gesetzt sowie Berliner Partner der internationalen Anwaltssozietät Wilmer Hale, deren Sitz in der Bundeshauptstadt nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt liegt.

Kritisch könnten sich für Arcandor nun auch die Kreditverhandlungen mit der staatseigenen Förderbank KfW entwickeln. Arcandor hat dort neben der Bitte um Bundesbürgschaften nach eigenen Angaben einen Antrag auf Darlehen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro gestellt. Die PricewaterhouseCoopers-Prüfer urteilten in ihrer Stellungnahme allerdings, Investments in Arcandor seien "für Banken nicht werthaltig". Arcandor aber gibt an, dass sowohl die Bürgschaften als auch der Millionenkredit nötig seien, um das Unternehmen vor der Pleite zu retten.

Karstadt hat deshalb am Freitag eine bundesweite Unterschriftenaktion in seinen Kaufhäusern gestartet und Kunden um Unterstützung für die überlebenswichtige staatliche Hilfe gebeten. In der Essener Innenstadtfiliale der Kaufhauskette beispielsweise wollen die zwei Oberbürgermeisterkandidaten der Ruhrgebietsstadt an der Aktion teilnehmen, hat das Gesamtbetriebsratsmitglied Gabriele Schuster des Essener Warenhauskonzerns bestätigt. Arcandor hat wiederholt darauf hingewiesen, dass im Falle der Insolvenz mehr als 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht seien.

Das PwC-Gutachten bringt allerdings nicht nur das Unternehmen Arcandor und dessen Managementteam um Vorstandschef Eick in Zugzwang. Es dürfte auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier stark unter Druck setzen. Der Vizekanzler sagte zuletzt, die Haltung der Union zu Arcandor laufe auf "Pleite und anschließend eine Leichenfledderei" hinaus. Ihm war daraufhin "Wahlkampfrethorik" vorgehalten worden. Die PwC-Gutachter kommen nun in ihrer Prüfung zu dem Schluss, dass Arcandor schlicht nicht die wirtschaftlichen Voraussetzungen biete, um Steuergelder in das Unternehmen zu stecken.

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