Krisenticker Schwarzenegger kämpft gegen Etatkollaps

Die Bundeskanzlerin sieht Licht am Ende des Rezessionstunnels. In Kalifornien schlägt Gouverneur Arnold Schwarzenegger neue, milliardenschwere Kürzungen vor. Die EU-Kommission lädt die Wirtschafts- und Industrieminister der betroffenen EU-Staaten zu einem Opel-Krisentreffen. Verfolgen sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.02 Uhr: Der Abschwung der deutschen Wirtschaft könnte nach Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bald zu einem Ende kommen. Die Nachrichten von einer Verlangsamung des Abschwungs deuteten darauf, "dass wir eventuell bald die Talsohle erreicht haben könnten", sagte Merkel am Mittwoch beim "Tag der Deutschen Bauindustrie 2009" in Berlin. Entscheidend sei allerdings die Frage, wie Deutschland aus der Krise wieder herauskomme.

21.04 Uhr: Angesichts der dramatischen Haushaltskrise in Kalifornien hat Gouverneur Arnold Schwarzenegger neue, milliardenschwere Kürzungen vorgeschlagen. Dadurch solle der Etat um zusätzlich 5,5 Milliarden Dollar (vier Milliarden Euro) entlastet werden, teilte der Gouverneur am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Betroffen sind unter anderem Ausgaben für das Gesundheitswesen, Bildung und Soziales. Schwarzenegger reagierte damit auf eine Abstimmung von voriger Woche, bei sich die kalifornischen Wähler mit großer Mehrheit gegen Steuererhöhungen und weitere Maßnahmen zur Senkung des massiven Defizits ausgesprochen hatten.

Bereits vor zwei Wochen hatte der republikanische Gouverneur Einsparungen in Höhe von 16 Milliarden Dollar vorgeschlagen, um der Budgetkrise Herr zu werden. Er erwartet, dass das Haushaltsloch des Westküstenstaatens bis Juni 2010 auf 24,3 Milliarden Dollar anwächst, wenn keine drastischen Sparmaßnahmen unternommen werden.

20.18 Uhr: Angesichts der Krise um den Opel-Mutterkonzern General Motors hat die EU-Kommission für Freitag ein Treffen mit den Wirtschafts- und Industrieministern der betroffenen EU-Staaten einberufen. EU-Industriekommissar Günter Verheugen sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch in Brüssel, er habe die Minister wegen der anstehenden Entscheidungen zur Rettung des Automobilkonzerns eingeladen.

19.42 Uhr: Die Ausfallrate der Kreditkartenschulden bei Kunden der US-Großbank J. P. Morgan hat sich offenbar erhöht. Die Rate werde im zweiten Quartal an die Marke von 9 Prozent heranreichen, sagte Firmenchef Jamie Dimon am Mittwoch. Im April hatte J. P. Morgan noch davon gesprochen, die Zahl "könnte" im zweiten Quartal an diese Marke herankommen. Dimon schloss am Mittwoch zudem einen weiteren Anstieg nicht aus, sollte die Arbeitslosenquote weiter steigen. Er bekräftigte zudem, seine Bank wolle die erhaltenen Milliarden-Hilfen aus dem US-Bankenrettungspaket (Tarp) schnellstmöglich zurückzahlen.

Historisch viele US-Banken wanken

17.50 Uhr: In den USA sind so viele Finanzinstitute in Schwierigkeiten wie seit 15 Jahren nicht mehr. So stieg die Zahl der Problembanken im ersten Quartal dieses Jahres um 21 Prozent auf 305, wie die US-Einlagensicherung FDIC am Mittwoch mitteilte, ohne Namen zu nennen. Zugleich fielen die Mittel der Behörde für die versicherten Spareinlagen im gleichen Zeitraum um gut vier Milliarden auf 13 Milliarden Dollar. "Die Bankenzusammenbrüche haben zugenommen und werden auch weiter zunehmen", sagte FDIC-Chefin Sheila Bair.

17.45 Uhr: Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch im Plus geschlossen. Gesucht wurden vor allem konjunktursensible Werte, sagten Händler. Der Aktienleitindex Dax  legte um 0,3 Prozent auf 5000,77 Punkte zu. Der MDax  der mittelgroßen Aktiengesellschaften stieg um 2,16 Prozent auf 5875,16 Zähler. Und der Technologieindex TecDax  kletterte um 2,03 Prozent auf 643,04 Punkte.

17.40 Uhr: Etwa 6000 Beschäftigte des angeschlagenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor  haben in Berlin für eine Staatsbürgschaft demonstriert. Die Regierung dürfe die 56.000 Mitarbeiter nicht zu Opfern der Wirtschaftskrise werden lassen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte am Mittwoch den Demonstranten, die sich vor seinem Dienstsitz versammelt hatten, es gebe "keine Vorfestlegung, bevor der Antrag auf Staatshilfen geprüft ist".

17.30 Uhr: Die Wirtschaftskrise setzt deutsche Unternehmen zunehmend unter Druck. Im ersten Quartal 2009 meldeten nach einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Bürgel insgesamt 6765 Unternehmen Insolvenz an. Im Vergleich zum vierten Quartal des vergangenen Jahres bedeute das einen Anstieg um 11,3 Prozent, teilte Bürgel am Mittwoch in Hamburg mit

16.42 Uhr: Der Ölpreisrückgang hat die Inflationsrate in Deutschland erstmals seit der Wiedervereinigung auf null gedrückt. Die Jahresteuerung blieb im Mai überraschend unverändert, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Dies gab es in Westdeutschland zuletzt im Mai 1987. Hintergrund ist die dämpfende Entwicklung der Energiepreise. Von April auf Mai sanken die Kosten für die Lebenshaltung im Schnitt um 0,1 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise in den nächsten Monaten sogar sinken und im Juli ihren Tiefstand erreichen.

16.00 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat weitere Zugeständnisse von den Opel-Interessenten Fiat  und Magna gefordert. Es seien noch erhebliche Nachbesserungen des italienischen Autobauers und des kanadisch-österreichischen Zulieferers nötig, sagte Guttenberg am Mittwoch in Berlin. Zugleich dämpfte er die Erwartungen an den Opel-Gipfel im Kanzleramt am Abend. Dort sei noch keine Einigung auf einen Investor zu erwarten.

15.50 Uhr: Die Bank of America hat bisher rund 26 Milliarden US-Dollar Mittel aufgebracht und damit mehr als drei Viertel der im Zuge des Stresstests geforderten Summe von 33,9 Milliarden US-Dollar. Damit zerstreuen sich zunehmend Bedenken, die New Yorker Bank könnte weitere Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen müssen.

15.30 Uhr: Handelsbeginn an der Wall Street. Der Dow Jones  pendelt zur Eröffnung um den Vortagesschluss. Die Aktie von General Motors  notiert 13 Prozent im Minus.

14.54 Uhr: Die Aktien von General Motors (GM) (Kurswerte anzeigen) brechen vorbörslich um 12 Prozent auf 1,27 US-Dollar ein. Der angeschlagene Automobilhersteller hat angekündigt, mit der Umwandlung von Schulden in eigene Aktien nicht fortfahren zu wollen. Das Interesse der Gläubiger, Anleihen in Aktien umzuwandeln, sei gering. Die von GM erhoffte Schwelle von 90 Prozent in GM-Aktien gewandelter Schulden sei "nicht zu erreichen", sagt ein Händler. Nun stehe das Unternehmen vor der Insolvenz.

Schutzschirm für WestLB kostet bislang 280 Millionen Euro

14.51 Uhr: Die Bundesregierung will bei den Opel-Verhandlungen an diesem Mittwochabend endgültig eine Überbrückungsfinanzierung für den Autobauer beschließen. Das sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Außerdem sollen letzte Details des Treuhandmodells geklärt werden, mit dem Opel aus der nahenden General-Motors-Insolvenz herausgehalten werden soll. Es sei wahrscheinlicher, dass die Gespräche mit mindestens zwei Interessenten fortgesetzt würden. Der chinesische Interessent für Opel sei mit seinem Konzept für das Spitzentreffen zu spät gekommen. Die Herauslösung von Opel aus GM sowie das Treuhandmodell sind Voraussetzungen für eine neue Allianz zwischen Opel und einem Investor.

13.15 Uhr: Der milliardenschwere Schutzschirm für die angeschlagene WestLB hat das Land Nordrhein-Westfalen bislang 107 Millionen Euro gekostet. Das gab NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) im Düsseldorfer Landtag bekannt. Insgesamt summierten sich die Verluste aus der fünf Milliarden Euro schweren Bürgschaft für alle WestLB-Eigentümer auf 280 Millionen Euro. Die Bank benötigt weitere fünf Milliarden Euro an Garantien, um nicht mehr tragfähige Geschäftsfelder auszugliedern.

12.45 Uhr: Eine eigenständige Rettung für den Autobauer Opel wird immer wahrscheinlicher. Der Mutterkonzern General Motors hat am Mittwoch die europäischen Unternehmensteile schuldenfrei auf seine deutsche Tochter Adam Opel GmbH übertragen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Rüsselsheim mitteilte. Hinter der Entscheidung dürfte die US-amerikanische Regierung als Hauptgläubiger von GM stehen. Mit dem juristischen Schritt der Vermögensübertragung soll Opel aus der drohenden GM-Insolvenz in den USA herausgehalten werden.

Der Aufsichtsrat der Opel GmbH akzeptierte unterdessen auf einer außerordentlichen Sitzung das geplante Treuhandmodell der Bundesregierung, die am Abend eine Vorentscheidung über den neuen Investor fällen will. Die geplante Brückenfinanzierung könnte nach den Worten von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ebenfalls bereits an diesem Mittwoch beschlossen werden.

Ölpreis auf Sechs-Monats-Hoch

11.50 Uhr: Als Folge der schweren wirtschaftlichen Rezession rechnet die Bundesagentur für Arbeit (BA) in den kommenden Monaten mit einer Verschärfung der Jobkrise. In der nächsten Zeit sei weiter mit einem Beschäftigungsrückgang zu rechnen, prognostizierte die Nürnberger Bundesbehörde am Mittwoch in Nürnberg. Darauf deute die Zahl der Jobangebote hin; diese sei im Mai den siebten Monat in Folge gesunken.

10.45 Uhr: Der Ölpreis ist angesichts von Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung auf ein Sechsmonatshoch geklettert. Der Preis für ein Barrel Rohöl stieg am Mittwoch über 63 Dollar, nachdem der saudische Ölminister Ali Al-Naimi im Vorfeld des Opec-Treffens am Donnerstag erklärt hatte, die Weltwirtschaft sei mittlerweile wieder "stark genug, um mit einem Ölpreis von 75 bis 80 Dollar pro Barrel" fertig zu werden.

09.30 Uhr: Der Nutzfahrzeug-Markt in Europa hat seine Talfahrt im April ungebremst fortgesetzt. Im vergangenen Monat wurden 139.870 Transporter, Lastwagen und Busse neu zugelassen, 42,4 Prozent weniger als vor Jahresfrist, teilte der europäische Herstellerverband ACEA am Mittwoch mit. Seit Jahresbeginn belief sich der Rückgang damit auf 37,3 Prozent.

07.27 Uhr: Der schuldengeplagte Stahlkonzern ArcelorMittal  besorgt sich frische Milliarden. Um seine finanzielle Situation etwas zu entspannen, will der Konzern Anleihen im Wert von 2,5 Milliarden Euro platzieren.

09.07 Uhr: Der Dax  klettert über die 5000-Punkte-Marke. Wenige Minuten nach Handelsstart notiert er 0,72 Prozent höher bei 5022 Zählern.

08.54 Uhr: In Frankreich hat sich die Stimmung der Unternehmen im Mai leicht aufgehellt. Das Geschäftsklima sei von 71 Punkten im Vormonat auf 72 Punkte geklettert, teilte die französische Statistikbehörde INSEE am Mittwoch in Paris mit. Volkswirte hatten mit einem Wert von 73 Punkten gerechnet.

Erholung im japanischen Außenhandel

7.30 Uhr: Gestützt auf positive Vorgaben werden die deutschen Aktienindizes am Mittwoch freundlich erwartet. Der Dax  dürfte 0,4 Prozent höher bei 5005 Punkten starten, nachdem er am Vortag bereits mit plus 1,4 Prozent geschlossen hatte. Die Kursgewinne an der Wall Street nach einem viel besser als erwartet ausgefallenen US-Verbrauchervertrauen dürften auch die deutsche Börse weiter nach oben ziehen, sagte ein Händler am Morgen.

Neben einigen Konjunkturdaten aus Deutschland und der Eurozone könnten am Nachmittag vor allem auch US-Häuserverkäufe Bewegung bringen, hieß es. Die jüngsten US-Daten zum Häusermarkt, der Case-Shiller-Index, waren schlecht ausgefallen: Demnach sind die Immobilienpreise in den USA so stark gefallen wie nie zuvor.

07.16 Uhr: Der Außenhandel Japans zeigt offenbar erste Anzeichen einer leichten Erholung. Die Exporte der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft seien im April um 1,9 Prozent zum Vormonat gestiegen, teilte die Regierung am Mittwoch in Tokio mit. Dies ist der zweite monatliche Anstieg in Folge. Auf Jahressicht gaben die Ausfuhren zwar immer noch kräftig um 39,1 Prozent nach. Außerdem erzielte das Land im April einen Handelsüberschuss von 69,0 Milliarden Yen (etwa 521 Millionen Euro).

7.00 Uhr: Die positiven US-Daten zum Verbrauchervertrauen haben am Mittwoch auch den japanischen Börsen Gewinne beschert. Laut Händlern ließen die Hoffnungen, dass es mit der Wirtschaft in den USA und weltweit wieder aufwärts geht, den Nikkei  in der letzten Handelsstunde um rund anderthalb Prozent steigen.

6.00 Uhr: Unmittelbar vor einem Spitzentreffen der Bundesregierung zur Krise bei Opel sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der deutschen Tochter von General Motors , Klaus Franz, die Trennung der Unternehmen Opel und GM sei unterschriftsreif. Er habe das Dokument selbst gesehen, "das sieht sehr gut aus und läuft alles in die richtige Richtung", sagte er am Dienstagabend im ZDF. Wichtig sei, dass die Hängepartie bei Opel beendet werde.

In Berlin geht es angesichts der drohenden Insolvenz von General Motors dabei unter anderem um die Bewertung der Konzepte der drei Interessenten Fiat, Magna und Ripplewood. Bisher überzeugen die Angebote Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) noch nicht. Der Minister forderte Nachbesserungen, andernfalls sei auch eine Insolvenz von Opel möglich. Auch ein chinesischer Interessent habe sich gemeldet.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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