Mittwoch, 20. November 2019

Deutsche-Bank-HV Heftige Kritik an Chefaufseher Börsig

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann räumt während der Hauptversammlung Fehler der Branche ein. Gleichwohl verteidigt er vor Aktionären sein 25-Prozent-Renditeziel. Auch Aufsichtsratschef Clemens Börsig wird vom Präsidium in Schutz genommen, muss sich aber heftige Kritik von Aktionärsvertretern gefallen lassen.

Frankfurt am Main - Niemand könne den Verlauf des Jahres exakt vorhersehen, sagte Ackermann in seiner Rede vor den Aktionären. Einige Konjunkturindikatoren deuteten zwar auf ein Ende des Abschwungs hin. Vor einer Belebung sei aber zunächst eine Bodenbildung zu erwarten. "Die Konjunkturentwicklung dürfte also eher einem U als einem V gleichen", betonte Ackermann.

Geste der Geschlossenheit: Aufsichtsratschef Clemens Börsig habe "keine Ambitionen" auf die Ackermann-Nachfolge gehabt, sagt Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer
Die Bank stellt sich auch auf verschärfte regulatorische Vorgaben ein. "Die Regulatoren werden das Korsett enger schnallen", sagte Ackermann. Diese zusätzlichen Sicherheitspuffer etwa beim Eigenkapital würden die Gewinne der Bankenbranche belasten. "Das Bankgeschäft wird insgesamt traditioneller und der Kampf um Kunden wird sich weiter verstärken."

Für die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen gab sich Ackermann aber optimistisch: Es gebe keinen Grund, von dem Geschäftsmodell mit dem Kerngeschäft Investmentbanking abzurücken. Mit einer Kernkapitalquote von 10,2 Prozent sei das Institut gut kapitalisiert.

"Gute Entwicklung hält auch im zweiten Quartal an"

An der Börse gab die Aktie der Deutschen Bank in einem schwachen Marktumfeld rund 3 Prozent nach. Nach dem guten Start ins Jahr bleibt Ackermann jedoch optimistisch: Nach der Rückkehr in die schwarzen Zahlen zu Jahresbeginn halte die gute Entwicklung der Deutschen Bank auch im zweiten Jahresviertel an.

"Unsere Kerngeschäftsfelder wurden mit Blick auf das gewandelte Umfeld optimiert", sagte Ackermann. "Die ersten erfreulichen Resultate, die sich im zweiten Quartal fortgesetzt haben, sind bereits zu verzeichnen." Er betonte: "Wir haben die Chance, aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen."

"Auch wir haben Fehler gemacht"

Ackermann bemühte sich in seiner Rede aber auch um versöhnliche Töne. Die Finanzinstitute, auch die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, hätten Fehler gemacht, Risiken falsch eingeschätzt und zum Teil sogar übersehen. Die Anreize für "kurzfristige Erfolge" seien zu hoch gewesen.

Man sei wie die anderen Marktteilnehmer auch "in einem vom Zeitgeist geprägten überzogenen Optimismus gefangen gewesen". Man müsse jetzt "aus Fehlern lernen".

Die Banken müssten "froh sein, dass die öffentliche Hand und damit der Steuerzahler das Finanzsystem vor dem Zusammenbruch bewahrt habe", betonte Ackermann. Dafür gebühre ihnen Dank.

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