Sonntag, 8. Dezember 2019

Deutsche-Bank-HV Heftige Kritik an Chefaufseher Börsig

3. Teil: Todenhöfer verteidigt Börsig - heftige Kritik von Aktionärsvertretern

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig, hatte entgegen anderslautender Meldungen nach Darstellung der Bank "keine Ambitionen" auf den Chefposten der größten deutschen Bank. Der Aufsichtsrat habe bei der Suche nach einem Nachfolger für Bankchef Josef Ackermann zwar durchaus alle Alternativen bedacht - "bis hin zu der Notwendigkeit, Dr. Börsig in die Pflicht zu nehmen", sagte Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer auf der Hauptversammlung am Dienstag in Frankfurt.

Zuversichtlich: Bankchef Ackermann (rechts) sieht "keinen Grund, vom Geschäftsmodell abzurücken"
Börsig habe jedoch deutlich gemacht, "dass er in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen hat, sondern Vorsitzender des Aufsichtsrates bleiben möchte". Börsig habe während des gesamten Prozesses "keine eigenen Ziele verfolgt", betonte der Vorsitzende des mit Personalfragen betrauten Präsidialausschusses des Aufsichtsrates.

Der Aufsichtsrat hatte Ende April überraschend Ackermanns Vertrag um drei Jahre bis 2013 verlängert. Laut Medienberichten wollte angeblich Börsig selbst Ackermann beerben, war damit aber bei mehreren Aufsichtsräten abgeblitzt.

Börsig hat "Werkzeuge für eigene Demontage geliefert"

Heftige Kritik von den Aktionären musste besonders Aufsichtsratschef Börsig einstecken - und zwar für seine Rolle bei der Suche nach einem Nachfolger für Ackermann. "Durch Ihr unglückliches Vorgehen haben Sie selbst die Werkzeuge für Ihre eigene Demontage geliefert", monierte Nieding. Ein Kleinaktionär wurde noch deutlicher: "Treten Sie zurück, Herr Börsig", sagte er.

Börsig hatte sich Finanzkreisen zufolge selbst als neuer Vorstandschef ins Spiel gebracht, scheiterte damit aber. Ackermanns Vertrag wurde schließlich verlängert. Der Aufsichtsrat betonte am Dienstag, der 60-Jährige habe keine eigenen Ziele verfolgt bei der Nachfolgesuche. Das Gremium stärkte seinem unter Druck geratenen Vorsitzenden in einer Erklärung demonstrativ den Rücken.

Ein Wechsel des Aufsichtsratschefs an die Spitze des Vorstands wäre nach Einschätzung der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) nicht mit den Prinzipien der guten Unternehmensführung vereinbar gewesen. "Dies zeugt von einem merkwürdigen Verständnis von Corporate Governance", kritisierte SdK-Chef Klaus Schneider. "Die Verlängerung des Vertrags von Ackermann war die beste Lösung für die Deutsche Bank."

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