Opel-Übernahme Magna-Konzept spaltet Bundesländer

Die Opel-Übernahme sorgt für Streit zwischen den betroffenen Ländern. Hessen und Rheinland-Pfalz sprachen sich für eine Bevorzugung des Zulieferers Magna aus, Nordrhein-Westfalen wegen eines befürchteten Stellenabbaus dagegen. Wirtschaftsminister Guttenberg kündigte eine "Grundentscheidung" für kommende Woche an.

Berlin - Im Wettbieten um den angeschlagenen Autobauer Opel ist der Zulieferer Magna  der Favorit: Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Freitag, man wolle sich nun vorrangig mit dem Magna-Konzept befassen. Aber auch die anderen beiden Opel-Interessenten seien noch im Spiel.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) machte nach einem Spitzentreffen im Kanzleramt jedoch klar, sein Land können dem Magna-Konzept in der jetzigen Form nicht zustimmen. Laut Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll bis Ende nächster Woche eine Grundsatzentscheidung fallen. Die Zeit drängt, weil die Opel-Mutter General Motors (GM)  dann Insolvenz anmelden könnte.

Magna-International-Geschäftsführer Wolf reagierte mit den Worten: "Es ist ganz wichtig, die Unterstützung des deutschen Staates zu haben. Aber die letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen". Dass Magna als Hauptbewerber um den Einstieg bei Opel gelte, sei "eine großartige Nachricht". "Jetzt heißt es, die Ärmel hochkrempeln, mit der Arbeit zu beginnen und sich mit den Opel-Mitarbeitern zusammenzusetzen."

Rüttgers sagte mit Blick auf Magna: "Ich hoffe, dass es gelingt, noch bis zur nächsten Woche zu Nachbesserungen zu kommen." Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa sollen nach den Magna-Plänen 2600 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden, davon 2200 in Bochum. Neben Magna haben der italienische Autobauer Fiat und der US-Finanzinvestor Ripplewood Angebote für Opel vorgelegt. Bei der Entscheidung sieht die Bundesregierung vor allem die US-Regierung und den von Insolvenz bedrohten GM-Konzern am Zug. Die entscheidende Frage über den Verkauf von GM-Europe und Opel sowie über ein Modell zur Eigenständigkeit müsse in den USA beantwortet werden, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

Guttenberg bezeichnete das Angebot des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna als "interessantes Konzept". Es werfe aber auch Fragen auf. Es müsse vor allem bewertet werden, wie groß die Risiken für den Steuerzahler seien, wenn der Staat Bürgschaften für eventuelle Kredite zur Finanzierung der Investitionen gebe. Bis kommende Woche allerdings "müssen wir eine Grundentscheidung getroffen haben".

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach sich ebenfalls für Verhandlungen mit Schwerpunkt Magna aus. Dabei sollen jedoch die anderen beiden Angebote nicht als aussichtslos eingeordnet werden. "Wir haben keine Tür zugeschlagen heute", sagte er. Auch Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) plädierte dafür, die Verhandlungen mit Magna zügig weiterzuführen. Zustimmung kommt auch aus Hessen: Regierungschef Roland Koch (CDU) und der Chef der SPD- Fraktion im Wiesbadener Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, sprachen sich für Magna aus.

"Deutlich weniger als 18.000 Arbeitsplätze" würden wegfallen

Magna will für den Fall einer Opel-Übernahme alle deutschen Standorte des Autobauers erhalten. Die Zentrale in Rüsselsheim und die dortige Entwicklungsabteilung sollen erhalten bleiben, sagte Geschäftsführer Siegfried Wolf in Berlin. Unternehmenssprecher Daniel Witzani bestätigte, der vorgelegte Plan sehe eine Beteiligung von jeweils 35 Prozent für die Opel-Mutter GM und die russischen Magna-Partner, den Autobauer Gaz und die Sberbank, vor.

Magna selbst wolle eine 20-prozentige Beteiligung, 10 Prozent würde die Opel-Belegschaft halten. Der Autoexperte Willi Diez bezeichnete die Zusage, keine Werke schließen zu wollen, im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt" (Samstagausgabe) dagegen als unrealistisch.

Um Stellenstreichungen wird Opel wohl in keinem Fall herumkommen: Magna-International-Geschäftsführer Wolf kündigte an, bei der Verwirklichung der Magna-Pläne würden "deutlich weniger als 18.000 Arbeitsplätze" bei Opel abgebaut. Wie viele es genau sein würden, lasse sich noch nicht sagen. Insgesamt erwartet der Konzern Staatsgarantien zur Absicherung des Betriebs bei Opel in Höhe von etwa vier bis fünf Milliarden Euro. Das Magna-Konsortium selbst will nach Angaben von Wolf bis zu 700 Millionen Euro investieren.

Fiat  widersprach unterdessen Medienberichten, wonach im Falle eines Einstiegs bei Opel rund 18.000 Stellen gestrichen werden sollen - auch in Fiat-Werken. Tatsächlich sollten bei einem Fiat-Einstieg europaweit etwa 10.000 Arbeitsplätze wegfallen, teilte der Konzern in Turin mit. Das Fiat-Konzept sehe "eine über einen längeren Zeitraum gestreckte Reduktion von Arbeitsplätzen von insgesamt 10.000 Stellen in ganz Europa vor." Opel beschäftigt in vier deutschen Werken rund 25.000 Menschen.

Steg erinnerte daran, nach welchen Kriterien die Bundesregierung die vorgelegten Rettungspläne für Opel bewertet: Das Konzept müsse tragfähig sein, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten. Es müsse möglichst viele Arbeitsplätze und möglichst alle vier deutschen Standorte sichern. Zudem müsse auch ein "sorgsamer Umgang mit Steuermitteln" gewährleistet sein. Die Bundesregierung stellt einem Opel-Investor Staatshilfen in Aussicht.

Angesichts der drohenden Insolvenz von GM wollen Opel-Mitarbeiter die Liquidität des deutschen Autobauers durch Lohnverzicht sichern. Die Belegschaft im Stammwerk Rüsselsheim und im Testzentrum im hessischen Rodgau-Dudenhofen werde im Mai und Juni jeweils 1,5 Tage arbeiten, ohne dafür Geld zu erhalten, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz und bestätigte einen Bericht des Magazins "Auto Motor Sport" (Freitagausgabe).

manager-magazin.de mit Material von dpa