Managergehälter SPD empört über Protest der Manager

Spitzen der deutschen Wirtschaft haben mit einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel gegen die geplante Begrenzung der Managergehälter protestiert. Die SPD ist empört und spricht von "einem Zeichen der Arroganz". Die Sozialdemokraten bekräftigen, dass es noch vor der Wahl schärfere Vorschriften für Managergehälter geben soll.

Berlin - Die Spitzen der deutschen Wirtschaft haben bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen die geplante Begrenzung der Manager-Gehälter protestiert. "Wir warnen nachdrücklich davor, unternehmerische Entscheidungen wie die Gestaltung von Vorstandsverträgen bis ins Detail zu verrechtlichen", zitierte das "Handelsblatt" aus einem Brief der Aufsichtsratschef von zwölf Dax-Konzernen.

Die zwölfköpfige Gruppe wird demnach angeführt von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Die Konzernkontrolleure verlangen von Merkel den Verzicht, mindestens aber eine grundsätzliche Revision der Koalitionspläne. Die Vorhaben gingen "weit über eine sinnvolle gesetzliche Rahmensetzung" hinaus. "Derartige Bestrebungen können der komplexen Unternehmenswirklichkeit nicht gerecht werden."

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß kritisierte die Äußerungen als ein Zeichen von "erheblicher politischer und gesellschaftlicher Ignoranz". Eine "bestimmte Kaste wirtschaftlich Mächtiger" verweigere sich offensichtlich jeglicher Einsicht und Bewusstseinsänderung. Die vorhandenen Pfründe und die vorhandenen Möglichkeiten, die eine Mitursache auch für die aktuelle Finanzkrise seien, sollten nach dem Willen der Verfasser des Briefes unangetastet bleiben.

Die SPD bekräftigte, dass es noch vor der Wahl schärfere Vorschriften für Managergehälter und Finanzprodukte geben soll. "Wir werden da nicht nachlassen und wollen klare Regelungen, die über das hinausgehen, was bisher vereinbart ist", sagte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering dem Bremer "Weser-Kurier" (Freitag). Die SPD stehe für die Begrenzung von Managergehältern ebenso bereit wie für die Einführung einer Börsenumsatzsteuer und einen "TÜV für Geldprodukte".

Besonderen Unmut bei den Managern erregt laut "Handelsblatt" die Vorschrift, dass zwischen einem Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat eine zweijährige Karenzzeit liegen soll. Der tiefe Einblick von Vorständen in ihre Unternehmen helfe ihnen später bei der Wahrnehmung der Kontrollaufgaben, argumentieren die Manager.

Eine Arbeitsgruppe der großen Koalition hatte sich Anfang Mai auf die wesentlichen Punkte der Begrenzung von Managergehältern verständigt. Geplant ist unter anderem, dass Führungskräfte künftig mit einem Selbstbehalt von bis zu einem Jahresgehalt für selbst verschuldete Schäden haften. Für kommenden Montag ist eine Sachverständigenanhörung im Bundestag geplant.

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa