Einkaufsmanager Abschwung verlangsamt sich

Die deutsche Wirtschaft scheint sich nach den heftigen Turbulenzen zu Jahresbeginn wieder zu erholen. Sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern hat sich der Abschwung im Mai spürbar verlangsamt. Trotzdem wollen Experten noch nicht von einem Ende der Rezession sprechen.

Berlin - Die Einkaufsmanagerindizes für die beiden größten Sektoren legten überraschend deutlich zu, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Marktforscher von Markit unter mehreren Hundert Unternehmen hervorging. "Nach einem desaströsen ersten Quartal taucht Deutschland aus den Tiefen der Rezession auf", sagte Markit-Experte Tim Moore.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rechnet damit, dass die Wirtschaft im Frühjahrsquartal nur noch um 0,5 Prozent schrumpft und sich im zweiten Halbjahr stabilisiert. Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt mit 3,8 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie. Trotz erster positiver Signale aus der Wirtschaft gebe es aber keinen Grund für übertriebenen Konjunkturoptimismus. "Es bleibt entschieden zu früh, ein Ende der Rezession zu verkünden", sagte BdB-Vorstand Manfred Weber.

Auch die Bundesbank hält das Schlimmste für überstanden, rechnet aber nicht mit einem schnellen Aufschwung. "In weiten Teilen der Wirtschaft besteht wohl auf absehbare Zeit keine Notwendigkeit, den vorhandenen Maschinen- und Anlagenpark zu erweitern oder zu modernisieren", hieß es im Monatsbericht der Bundesbank. Von den Investitionen der Unternehmen - die schon zu Jahresbeginn deutlich gesunken waren - dürften vorerst keine Konjunkturimpulse ausgehen.

Arbeitslosigkeit steigt weiter

Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Industrie kletterte einer ersten Auswertung zufolge im Mai um 3,7 auf 39,1 Zähler. Das ist der höchste Wert seit Oktober 2008. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich einen Anstieg auf 36,9 Punkte erwartet. Bei den Dienstleistern stieg der Index ebenfalls überraschend stark um 2,2 auf 46,0 Zähler und erreichte damit ein Jahreshoch. In beiden Fällen blieb das Barometer aber unter der Marke von 50 Punkten, ab der ein Wachstum signalisiert wird.

Die Dienstleister sehen aber bessere Zeiten heraufziehen. Sie äußerten sich so optimistisch zu ihren Geschäftserwartungen wie seit zwei Jahren nicht mehr: Der Teilindex für die Aussichten schoss um 11,2 auf 55,6 Punkte nach oben. "Nach einem desaströsen ersten Quartal stabilisiert sich die Lage in der Industrie und im Servicesektor zusehends", sagte Markit-Experte Moore. "Der anhaltend starke Beschäftigungsabbau zeigt jedoch, dass die Privathaushalte und die Unternehmen noch immer unter dem globalen Abschwung leiden."

Auch in der Euro-Zone mehren sich die Anzeichen für ein Ende der beispiellosen Talfahrt. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe kletterte überraschend stark um 3,7 auf 40,5 Zähler und erreichte damit das höchste Niveau seit Oktober.

Einen derart kräftigen monatlichen Anstieg hat es in der Markit-Umfrage noch nicht gegeben. Der Service-Index verbesserte sich um 0,9 auf 44,7 Punkte. Von einer Erholung der Euro-Länder würde auch Exportweltmeister Deutschland profitieren: Fast die Hälfte der Ausfuhren geht in die Euro-Zone.

manager-magazin.de mit Material von reuters