General Motors Magna Favorit für Opel-Einstieg

Beim Dreikampf um einen Einstieg bei Opel hat Magna offenbar die Nase vorn. General Motors sieht den Autozulieferer in einer internen Rangliste auf Platz eins. Der italienische Fiat-Konzern, der im Falle einer Übernahme an allen deutschen Opel-Standorten Stellen streichen will, ist demnach nur dritte Wahl.

Hamburg - General Motors  favorisiert für eine Beteiligung an Opel offenbar den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna . Der Interessent Fiat  landet in einer internen Rangliste erst auf Platz drei hinter dem US-Finanzinvestor Ripplewood, wie das Nachrichtenportal SPIEGEL ONLINE am Donnerstag berichtet.

Die Entscheidung darüber, wer das europäische Geschäft von GM mit den Marken Opel und Vauxhall übernimmt, fällt in den USA. GM-Chef Fritz Henderson muss berücksichtigen, welche Folgen die Mehrheitsübernahme eines Investors bei GM Europe auf das Geschäft in den USA hat. Denn GM will weiter an dem Unternehmen beteiligt bleiben und technisch mit ihm zusammenarbeiten.

Für Magna spricht dem Bericht zufolge, dass der Autozulieferer im Ruf steht, selbst über Spitzentechnologie zu verfügen. So hat er große Teile der Entwicklungsarbeit für den BMW-Geländewagen X3 geleistet. Zudem könnte Magna Opel-Werke auch dadurch auslasten, dass es darin Modelle anderer Hersteller fertigt.

Dass Fiat überraschenderweise auf dem letzten Rang landet, erklären sich Konzerninsider dem Bericht zufolge mit zwei Gründen. Zum einen steige Fiat beim GM-Konkurrenten Chrysler ein. Zum anderen sei bei GM die Verärgerung darüber offenbar noch groß, dass der US-Konzern für die Trennung von Fiat vor einigen Jahren den Italienern eine Ausgleichszahlung von 1,5 Milliarden Dollar zahlen musste.

Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte unterdessen, dass im Fall einer Übernahme von Opel alle vier deutschen Werke erhalten bleiben. Allerdings müssten an jedem Standort Stellen gestrichen werden, erklärte er in einem am Donnerstag vorab veröffentlichen Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.

"Wir müssen die Produktionskapazitäten in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen aus Fiat und den europäischen GM-Töchtern um 20 Prozent reduzieren", sagte der Manager. Das bedeute nicht, dass auch die Zahl der Arbeitsstellen um 20 Prozent sinken müsse. Der erforderliche Abbau von Stellen werde gleichmäßig über Europa verteilt.

Betriebsrat hat schon einen Plan B

Die interne Rangliste stellt laut dem Bericht von SPIEGEL ONLINE noch keine Entscheidung dar. Der US-Konzern werde auch berücksichtigen, zu welcher Einschätzung die Bundesregierung kommt, die die Konzepte der drei Interessenten seit Mittwoch prüft. Schließlich könne GM die Mehrheit an Opel nur an einen Investor abgeben, der auch Milliardenbürgschaften der Bundesregierung und der beteiligten Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen erhält. Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich am Freitag mit den zuständigen Minister im Kanzleramt treffen, um über den angeschlagenen Autobauer zu beraten.

Zuvor hatte der Betriebsrat angekündigt, notfalls mit den Händlern der Marke selbst ein Übernahmeangebot vorzulegen. "Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Betriebsratschef Klaus Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Onlineausgabe). Die Summe könnte demnach bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Davon entfielen eine Milliarde Euro auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten und weitere 500 Millionen Euro auf den Rettungsfonds, den die 4000 Opel-Händler schon beschlossen haben.

Am Mittwochabend waren bei der Bundesregierung und bei GM die Konzepte der drei Opel-Interessenten eingegangen, die nun geprüft werden. Auch die Mitarbeiter wollen die Pläne kritisch beäugen. "Wir haben die Investoren für Anfang kommender Woche nach Rüsselsheim eingeladen, damit sie uns ihre Konzepte im Detail erläutern können", sagte Franz. Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna habe dies bereits zugesagt.

Die Konzepte müssen rasch geprüft werden. Schon Ende dieses Monats könnte GM in den USA Insolvenz anmelden. Die Bundesregierung will Opel mit einem Treuhandmodell aus dem Insolvenzstrudel des Mutterkonzerns heraushalten.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa, dpa-afx und reuters