Kaufhof/Karstadt Metro startet Vorstoß zur Warenhaus-Ehe

Der Handelsriese Metro hat einen Vorstoß zur Zusammenlegung der großen deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof gestartet. Die insgesamt 247 Warenhäuser sollen in einer "Deutschen Warenhaus AG" gebündelt werden. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick zeigt sich zu Gesprächen bereit.

Düsseldorf - "Wir erwarten, dass es in den nächsten Tagen Gespräche mit der Politik gibt", sagte ein Metro-Sprecher am Montag in Düsseldorf. Er bestätigte, dass sich Konzernchef Eckhard Cordes mit einen Brief bereits an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gewandt hat. Es gehe darum, das Warenhaussegment in Deutschland zukunftsfest zu machen und Arbeitsplätze zu sichern.

Die Kölner Warenhaustochter Kaufhof zählt nicht mehr zum Kerngeschäft des Düsseldorfer Konzerns. Metro  hatte den Verkaufsprozess für Kaufhof 2008 angesichts der Finanzmarktkrise jedoch gar nicht erst begonnen.

Bislang sei völlig unklar, welche Pläne der Kaufhof-Eigentümer Metro bei einem möglichen Zusammenschluss mit dem ums Überleben kämpfenden Essener Konkurrenten verfolge, sagte eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Berlin. Es sei jedoch zu befürchten, dass es zu Standortschließungen und den Abbau von Arbeitsplätzen komme.

Karstadt braucht dringend Geld

Der in finanzielle Not geratene Arcandor-Konzern braucht dringend Geld und muss bis Mitte Juni Gespräche mit seinen Gläubigerbanken um die Verlängerung von Krediten unter Dach und Fach bringen. Allein in diesem Jahr muss der Konzern 960 Millionen Euro refinanzieren. In dieser Woche will Arcandor beim Staat eine Bürgschaft über 650 Millionen Euro beantragen und zudem die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) um ein Darlehen ersuchen.

Die Bild am Sonntag zitierte aus dem Schreiben Cordes', Metro sei "zu umfassenden und konstruktiven Gesprächen für eine privatwirtschaftliche Lösung" bereit. In dem Schreiben sei von einer "Zusammenarbeit" und einem "möglichen Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof" die Rede, hieß es in dem Bericht.

Laut "BamS" sollen die mehreren hundert Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof in einer "Deutschen Warenhaus AG" zusammengeführt werden. An diesem Unternehmen könnten sich mit jeweils knapp 50 Prozent die Metro-Gruppe und die Vermieter der Warenhaus-Immobilien beteiligen. Cordes sehe "die Möglichkeit, die Mehrheit der Karstadt-Häuser und damit einen großen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten".

"Ein nahe liegendes Konzept"

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick erklärte sich zu Gesprächen bereit. Die Warenhaus-Allianz sei "zunächst ein nahe liegendes Konzept", sagte er der "BamS". Sie habe allerdings "für die Verbraucher, den Wettbewerb und die Mitarbeiter gravierende Nachteile". Ein Zusammengehen der Marktführer Karstadt und Kaufhof sei nach seiner Einschätzung nicht genehmigungsfähig, da damit monopolistische Marktstrukturen im Handel geschaffen würden.

Über ein Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof wurde schon seit langem immer wieder spekuliert. Kaufhof steht wirtschaftlich deutlich besser da als Karstadt. Kaufhäuser kämpfen derzeit allerdings insgesamt stark ums Überleben. Zuletzt hatten die Kaufhausketten Woolworth und Hertie Insolvenz angemeldet.

Der deutsche Versandhandelsriese Otto bekundete unterdessen Interesse an weiteren Teilen von Arcandor. Einige Unternehmen der Arcandor-Versandsparte Primondo "könnten für uns durchaus interessant sein", sagte Otto-Chef Hans-Otto Schrader der "Wirtschaftswoche". Zu Primondo gehören neben Quelle etliche Spezial-Versandhändler. Bei diesen könnte laut Schrader "durchaus das eine oder andere Unternehmen dabei sein", das für Otto in Frage komme.

Arcandor ist angeschlagen, der Konzern will einen Antrag auf eine Millionen-Bürgschaft des Staates stellen. Zu dem Unternehmen gehört neben Primondo und Karstadt auch die Touristiksparte Thomas Cook.

manager-magazin.de mit Material von afp, ddp und reuters

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