Freitag, 13. Dezember 2019

Krisengipfel Porsche bat VW um Übernahme

Weil der Sportwagenhersteller Porsche in Finanzschwierigkeiten geraten war, hat das Stuttgarter Unternehmen nach Angaben aus Unternehmenskreisen im März selbst um eine Übernahme durch Volkswagen gebeten. Grund war der damals zunächst gescheiterte Versuch, einen Kredit über zehn Milliarden Euro zu verlängern. Selbst der künftige Konzernsitz war auf dem Krisentreffen in der niedersächsischen Staatskanzlei bereits abgesprochen worden.

Hamburg - Im Machtkampf zwischen Porsche Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen zeichnet sich eine überraschende Wendung ab. Die Porsche-Führung hat Volkswagen Ende März selbst darum gebeten, den Sportwagenbauer zu kaufen und den Konzern so aus dringender Finanznot zu retten. Das erfuhr manager magazin online aus Unternehmenskreisen.

Am 22. März trafen sich sonntags abends in der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover die Spitzen von Porsche und Volkswagen zu einem Krisengipfel. Porsche war an diesem Wochenende mit dem Versuch gescheitert, einen Kredit über zehn Milliarden Euro zu verlängern. In dieser Notsituation sollte Volkswagen helfen. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche beauftragte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch bei einem zweiten Treffen am darauffolgenden Montag, so schnell wie möglich die Bedingungen für eine Übernahme der Porsche AG durch Volkswagen zu prüfen. So sollte die Porsche Automobil Holding SE mit der nötigen Liquidität versorgt werden.

Porsche hält 50,8 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Der Konzern hat im Laufe der Übernahme aber Nettoschulden von 9 Milliarden Euro aufgebaut. Zusätzlich drücken das Unternehmen Risiken aus gigantischen Derivategeschäften. Über die Optionen hat sich Porsche Zugriff auf weitere rund 25 Prozent der Volkswagen-Stämme gesichert.

Den Kreisen zufolge vereinbarten die Parteien in Hannover auch, dass Wolfburg Sitz des künftigen Konzerns werden sollte. Die Lage beruhigte sich erst, als Porsche die 10 Milliarden Euro am 24.März über ein Bankenkonsortium doch noch zusammen bekam. Für Porsche nahmen an den beiden Treffen Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und dessen Neffe Oliver Porsche teil, ebenfalls Mitglied des Kontrollgremiums, Vorstandschef Wendelin Wiedeking und der für die Finanzen verantwortliche Holger Härter waren telefonisch zugeschaltet.

Für Volkswagen verhandelten Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, dazu für die Arbeitnehmer Betriebsratschef Bernd Osterloh und der stellvertretende Aufsichtsratschef Jürgen Peters. Ministerpräsident Christian Wulff vertrat das Land Niedersachsen.

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