Autokrise Das Sterben der Händler

Chrysler trennt sich von einem Viertel seiner Autohäuser, General Motors von einem Drittel. Die Herstellerkrise trifft die Autoverkäufer nun mit aller Macht - allein bei General Motors stehen so 200.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. In Europa dagegen könnten die Opel-Händler das Schicksal ihrer Marke selbst in die Hand nehmen.

Detroit - Der insolvente US-Autobauer Chrysler will im Zuge seiner Sanierung in den USA mit dem Segen der Regierung jedes vierte Autohaus dichtmachen. Der Konzern beantragte am Donnerstag beim zuständigen Gericht, bereits Anfang Juni 789 seiner insgesamt 3181 Lizenzverträge zu kündigen.

Das US-Finanzministerium erklärte, dies sei für die Sanierung von Chrysler nötig. Zwar bedeute die Schließung den Verlust von Jobs, aber ein gesunder Chrysler-Konzern biete den Beschäftigten mehr Sicherheit und berge zudem die Hoffnung auf zukünftige Neueinstellungen. Chrysler konzentriert sich damit auf die erfolgreichsten Ausstellungsräume - ein Viertel der Chrysler-Händler erwirtschaftet die Hälfte des Umsatzes. Außerdem gleicht der Konzern sein Händlernetzwerk dem von relativ erfolgreichen Rivalen wie Toyota  an.

Auch die Opel-Mutter General Motors , die sich bereits eifrig auf eine Insolvenz vorbereitet, will Händlerverträge kündigen. Nach Aussagen ihres Konzernchefs soll die Zusammenarbeit mit bis zu 2000 Partnern in Nordamerika eingestellt werden. Das ist rund ein Drittel der mehr als 6000 GM-Händler.

Die Trennung soll voraussichtlich weit schneller als bisher geplant ablaufen. Die Händler wähnen in der Branche insgesamt 200.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Sie fordern die Regierung deshalb auf, dem Kahlschlag Einhalt zu gebieten.

In Europa dagegen könnten die Händler von Opel das Schicksal ihres Lieferanten selbst in die Hand nehmen. Am Freitag stimmen sie in Wien über eine Beteiligung an dem angeschlagenen Autobauer ab.

Die 25 nationalen Verbände haben dem Konzept bereits zugestimmt, wonach jeder Händler in den kommenden drei Jahren 150 Euro pro verkauften Neuwagen in einen Rettungsfonds einzahlt. Insgesamt will die Europäische Vereinigung der Opel/Vauxhall-Händler (Euroda) so mit mehr als 400 Millionen Euro zur Rettung Opels beitragen, indem sie sich mit bis zu 20 Prozent an einer neuen europäischen Opel AG beteiligt. Allein im deutschen Handel seien 35.000 Arbeitsplätze gefährdet. Allerdings muss geklärt werden, wie das Kapital nicht erst in drei Jahren, sondern vorab ausgeschüttet werden kann.

In Wien will Euroda klären, wie der Plan im Detail umgesetzt werden kann. Danach müssten die beteiligten Regierungen und die möglichen Investoren entscheiden, ob die Beteiligung der Händler erwünscht ist. Der Vizepräsident von Euroda, Albert Still, hatte sich im Vorfeld über einen möglichen Einstieg von Fiat bei Opel skeptisch geäußert.

Das Konsortium um den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna hatte bereits angekündigt, die Händler bei einer Opel-Übernahme mit ins Boot nehmen zu wollen. Nach dem vorläufigen Plan strebt Magna 19,9 Prozent an dem neuen Unternehmen an, der russische Autohersteller GAZ zusammen mit Russlands größtem Geldhaus Sberbank 30,1 Prozent. GM soll demnach bis zu 40 Prozent halten, den Rest das Opel-Management und die Händler.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa-afx und dpa

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