Chemiebranche Größter Einbruch seit 34 Jahren

Die deutsche Chemieindustrie erwartet für dieses Jahr einen Produktionseinbruch, der nur mit dem Absturz im Ölkrisenjahr 1975 vergleichbar ist. Die Zahl der Beschäftigten blieb bislang allerdings nahezu konstant.

Frankfurt am Main - Nach einem desaströsen ersten Quartal revidierte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) seine früheren Erwartungen drastisch und geht nun von 12 Prozent weniger Umsatz und einer um 10 Prozent verminderten Produktion für das Gesamtjahr aus. Noch vor zwei Monaten hatte der Verband ein Umsatzminus von 6 Prozent genannt.

In der Ölkrise war die Produktion 1975 um 12 Prozent geschrumpft, wie der Verband am Donnerstag berichtete. Allerdings mehrten sich die Anzeichen, dass der Boden der weltweiten Nachfragekrise erreicht sein könnte.

Im ersten Quartal 2009 setzte die Chemieindustrie ihre Talfahrt fort. Im Vergleich zum bereits schwachen Vorquartal ging die Produktion noch einmal um 8,1 Prozent zurück, wie der VCI berichtete.

Die Unternehmen haben laut Verband viele Anlagen abgeschaltet, sodass die Kapazität derzeit nur zu 72 Prozent ausgelastet ist. Mit 34,5 Milliarden Euro fiel auch der Umsatz saisonbereinigt um 8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Gegenüber dem ersten Quartal 2008 beträgt das Umsatzminus sogar 17 Prozent.

Die Zahl der Beschäftigten in der Chemieindustrie blieb hingegen mit gut 440.000 nahezu konstant. Das waren laut VCI 1300 oder 0,3 Prozent weniger als im ersten Quartal 2008. Die meisten Unternehmen nutzten den Abbau von Überstunden und Arbeitszeitkonten, führten Kurzarbeit ein und beendeten die Beschäftigung von Leiharbeitern.

Erste positive Signale aus dem Ausland

VCI-Präsident Ulrich Lehner erwartet aber eine Verbesserung der Lage: "Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen aus wichtigen Kundenindustrien, dass wir die Talsohle erreicht haben könnten. Und auch von einigen Auslandsmärkten - vor allem Brasilien und China - kommen erste positive Signale für das Chemiegeschäft", erklärte er.

Die Produktion habe sich im Laufe der ersten drei Monate auf niedrigem Niveau stabilisiert und sei nach dem Tiefpunkt im Januar sogar wieder leicht angestiegen. Die Aufträge aus der Industrie hätten im März wieder um 3 Prozent gegenüber dem Februar angezogen.

Erstmals traf die Krise auch die bislang konjunkturfesten Hersteller von Medikamenten. Die Pharmaunternehmen produzierten 1,5 Prozent weniger als im Vorquartal und machten 5 Prozent weniger Umsatz. Das Preisniveau für alle chemischen Produkte zusammen lag von Januar bis März 2,8 Prozent unter dem Wert des Vorquartals. Sinkende Rohölpreise und die schwache Nachfrage verstärkten den Abwärtstrend der Erzeugerpreise, der sich bereits im letzten Quartal 2008 angedeutet hatte.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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