Opel Treuhandlösung würde Milliardenbetrag kosten

Bund und Länder wollen den angeschlagenen Autobauer Opel laut Medienberichten vorübergehend über ihre staatlichen Banken finanzieren. Der angeschlagene Autobauer würde bei der erwogenen Treuhand-Lösung einen Milliardenbetrag benötigen, sagte Opel-Chef Carl-Peter Forster.

Im Gespräch sei ein Engagement der KfW und der Landesbanken der Länder, in denen Opel Standorte hat, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Regierungskreise. Im Rahmen der geplanten Treuhandlösung für Opel würden die Banken dem Autobauer Kredite zur Verfügung stellen, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Über den Plan sollen am Donnerstag in Berlin eine hochrangige Ministerrunde beraten.

Als Treuhänder kommt nach Angaben aus der Regierung entweder eine Beratungsgesellschaft wie PwC oder die KfW selbst infrage. Die Regierung steht unter Zeitdruck, weil ab Ende Mai mit einer Insolvenz der Opel-Muttergesellschaft GM gerechnet werden muss. Da private Geldhäuser offenbar abgewunken haben, sollen nun öffentliche Banken die Zwischenfinanzierung von GM Europe sicherstellen, wie die Zeitung schreibt.

Das Wirtschaftsministerium habe den Firmen, die an einem Opel-Kauf interessiert sind, nun eine Frist bis nächste Woche gesetzt. "Am 20. Mai läuft die Frist ab", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. "Bis dahin müssen alle Interessenten offiziell ihre Angebote abgeben."

"Summe oberhalb von einer Milliarde Euro"

Neben dem italienischen Autokonzern Fiat, der auch eine Übernahme des US-Herstellers Chrysler plant, buhlt der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna gemeinsam mit dem russischen Autobauer GAZ und der russischen, staatlich kontrollierten Sberbank um Opel.

"Wenn es zu der Treuhandlösung kommt, die das Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagen hat, dann wäre dies mit einer Kreditlinie verbunden. "Die Summe müsste oberhalb von einer Milliarde Euro liegen", sagte der Europachef von General Motors, Carl-Peter Forster, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte zuvor eine Treuhand-Lösung ins Spiel gebracht, damit Opel im Falle einer Insolvenz des Mutterkonzerns General Motors handlungsfähig bleibt. Dies stößt nach Informationen des "Handelsblatts" aber auf Widerstand in den USA. GM dränge die Bundesregierung, Opel besser direkt zu verstaatlichen.

Zeit für Fiat und Magna wird knapp

Angesichts der zunehmenden Sorgen um 18.000 Arbeitsplätze bei Opel und dem als möglichen Aufkäufer geltenden italienischen Autobauer Fiat plant die Bundesregierung heute (Donnerstag) ein Spitzengespräch. Ein Sprecher der Bundesregierung wies am Mittwoch aber einen Bericht zurück, wonach bei dem Treffen bereits eine vorübergehende Verstaatlichung von Opel beschlossen werden solle.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa nehmen an dem Spitzentreffen neben Wirtschaftsminister zu Guttenberg auch Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU), Vize-Kanzler Frank- Walter Steinmeier, Finanzminister Peer Steinbrück und Arbeitsminister Olaf Scholz (alle SPD) teil.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz hatte am Mittwoch nach einem Treffen deutscher und italienischer Arbeitnehmervertreter erklärt, beide Seiten hätten Sorge, dass der italienische Autobauer Fiat ein Sanierungskonzept mit dem Abbau von europaweit bis zu 18 000 Arbeitsplätzen durchsetzen könne.

GM muss bis Ende Mai in den USA einen erfolgversprechenden Rettungsplan vorlegen. Sonst droht die Insolvenz. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Opel-Interessenten bis dahin tragfähige Konzepte präsentieren. Zu den möglichen Käufern zählen neben Fiat auch der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna sowie mehrere Finanzinvestoren.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap und reuters