Schaeffler "Es wird zu Maßnahmen kommen"

Am Stellenabbau bei Schaeffler scheint kein Weg vorbei zu führen. Derzeit verhandelt die Konzernleitung mit Betriebsrat und Landesregierungen. Die halten sich zwar noch bedeckt, aber den Gerüchten von Stellenstreichungen in vierstelliger Größenordnung tritt niemand entgegen.

Herzogenaurach/München - Der angeschlagene Autozulieferer Schaeffler steht vor dem größten Stellenabbau der Firmengeschichte. Ein entsprechendes Konzept präsentierte die Konzernleitung am Dienstag sowohl dem Betriebsrat als auch der bayerischen Staatsregierung. Mit dem Sanierungskonzept, das unternehmensnahen Kreisen zufolge einen Abbau von weltweit 8000 Stellen vorsieht, soll zugleich der Weg für Staatshilfe geebnet werden. Es werde nun von Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) geprüft, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Dienstag nach einem Gespräch mit der Firmenleitung.

Auch nach Seehofers Angaben sieht das Sanierungskonzept einen Arbeitsplatzabbau vor: "Es wird zu Maßnahmen kommen", sagte er dazu. Allerdings ist nach seinen Worten auch die Eigentümerfamilie zu Opfern bereit: "Das Eigenengagement der Familie ist gewaltig, deshalb verdient es unsere Unterstützung."

Die Belegschaft soll am kommenden Mittwoch bei örtlichen Betriebsversammlungen über den Umfang des Stellenabbaus informiert werden. Unternehmensnahe Kreise sprechen von 5000 bedrohten Arbeitsplätzen im Inland. Bundesweit hat Schaeffler 28.000 Beschäftigte, weltweit sind es gut 66.000.

Nur Bürgschaften vom Staat, kein Einstieg

Bei den möglichen Staatshilfen könne es sich nur um Bürgschaften oder Darlehen, nicht aber um eine Übernahme von Schaeffler-Anteilen durch den Staat handeln, sagte Seehofer. Die Schaeffler-Spitze hatte ihre Pläne am Montagabend bei einem Treffen mit Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) vorgestellt. Anschließend vereinbarten die Teilnehmer Vertraulichkeit. Seehofer betonte: "Wir haben die Überlegungen der Firma Schaeffler positiv aufgenommen."

Eine Lösung könne es aber nur unter Beteiligung des Bundes und der anderen betroffenen Bundesländer geben. Neben Niedersachsen, wo die von Schaeffler übernommene Continental-Gruppe  ihren Sitz hat, seien noch mehrere andere Bundesländer beteiligt. "Das wird ein ganz schwieriger Weg", betonte der CSU-Politiker.

Schaeffler und Conti haben zusammen weltweit 200.000 Mitarbeiter. "Wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten." Unmittelbar nach dem Treffen mit der Schaeffler-Spitze habe er mit dem Bundeswirtschaftsminister telefoniert. Guttenberg werde seinerseits mit der Firma sprechen, sagte Seehofer. Schaeffler hatte sich vergangenes Jahr mit dem Conti-Kauf übernommen und leidet auch unter der weltweiten Flaute in der Autobranche.

Derweil haben Schaeffler-Auszubildende am Dienstag am Firmensitz in Herzogenaurach für ihre Übernahme nach Abschluss der Lehre demonstriert. Bei einer Unterschriftensammlung vor dem Werkstor hätten sich etwa 1000 Schaeffler-Beschäftigte mit den Forderungen der jungen Kollegen solidarisch erklärt, berichteten Betriebsrat und die IG Metall Erlangen. Bislang sei die Übernahme bei Schaeffler nie ein Thema gewesen. "Nun sollen sie die ersten sein, die bei Schaeffler gehen müssen", sagte die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung, Hanna Köhler, laut Mitteilung.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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