VW-Offerte Finanzaufsicht ermittelt gegen Porsche

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft, ob Porsche die Finanzmärkte manipuliert hat. Grund ist das Vorgehen des Sportwagenbauers bei der versuchten Übernahme von Volkswagen. Laut einem Magazinbericht haben die Stuttgarter ihre wahren Absichten lange verschleiert.

Berlin - Eine Sprecherin der Bafin bestätigte die Ermittlungen gegenüber manager-magazin.de am Dienstag. Man habe am Montag ein Prüfverfahren eingeleitet, um zu untersuchen, ob Porsche  unrichtige Angaben gemacht habe. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, könnte dem Sportwagenbauer ein Strafverfahren drohen. Auf Marktmanipulation stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Gegebenenfalls kann das Vergehen aber auch als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die Bafin kann dann ein Bußgeld bis zu einer Million Euro verhängen.

Das Magazin "Wirtschaftswoche" hatte am vergangenen Freitag von Hinweisen berichtet, dass Porsche möglicherweise schon deutlich früher als bislang bekannt das Ziel verfolgte, den Volkswagen-Konzern  zu übernehmen, um einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zu schließen.

Nach Informationen des Magazins könnte Porsche bereits im Februar 2008 die Absicht gehabt haben, 75 Prozent der VW-Anteile zu übernehmen. Porsche dementierte aber noch im März entsprechende Absichten. Vielmehr sei man nur an einer Übernahme von 50 Prozent an Volkswagen interessiert. Erst im Oktober gaben die Stuttgarter ihr Ziel eines Beherrschungsvertrags bekannt und lösten damit heftige Kurssprünge der VW-Stammaktie aus, die zeitweise von rund 200 Euro auf mehr als 1000 Euro anstieg. Dadurch erlitten Hedgefonds und Banken, die auf fallende Kurse der VW-Stammaktien gesetzt hatten, große Verluste.

Porsche wies den Vorwurf einer Täuschung von Anlegern als falsch zurück. Porsche habe am 3. März 2008 entschieden, die Mehrheit an Volkswagen zu erwerben. "Eine Absicht von Porsche zur Aufstockung auf 75 Prozent der VW-Stammaktien bestand seinerzeit nicht", erklärte das Unternehmen. Porsche erklärte, es habe am 25. Februar 2008 in Berlin ein Treffen mit einem Vertreter der niedersächsischen Landesregierung gegeben - auf eben dieses Treffen bezieht sich der Bericht. Zu dessen Inhalten nehme das Unternehmen aus Gründen der Vertraulichkeit keine Stellung.

Bislang sei die Staatsanwaltschaft noch nicht informiert worden, sagte die Bafin-Sprecherin weiter. Dies werde erst geschehen, wenn die Behörde weitere Anhaltspunkte für eine Marktmanipulation habe.

Die Aktie von Porsche  notierte am Nachmittag klar im Minus. Sie hatte bereits im frühen Handel nachgegeben, nachdem sich VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech kritisch gegenüber Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking geäußert hatte.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap

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