Volkswagen/Porsche Piëch brüskiert Wiedeking

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat die Hoffnung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf eine Fusion unter Gleichen mit Volkswagen gedämpft. Wiedeking habe "zurzeit" noch sein Vertrauen, ließ der Patriarch wissen. Porsche solle zuerst seine Finanzen in den Griff bekommen. Die Aktie des Sportwagenbauers brach daraufhin ein.

Olbia - Der hoch verschuldete Sportwagenbauer müsse zunächst seine Finanzprobleme in den Griff bekommen, sagte Piëch am Montagabend am Rande einer Präsentation des neuen VW Polo auf Sardinien. Porsche-Titel  brachen bis zum Mittag um 7,6 Prozent auf 41,60 Euro ein. Gleichzeitig stellte er klar, die Rechte des Landes Niedersachsen als Großaktionär nicht antasten zu wollen.

Auf die Frage, ob Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking noch sein Vertrauen habe, antwortete Piëch: "Zurzeit noch. Das Noch können Sie streichen." VW-Chef Martin Winterkorn sei für Volkswagen "der Bessere".

"Für Porsche war Wiedeking der Beste, sicher über 15 Jahre", fügte Piëch hinzu. Wiedeking sei "persönlich bemüht", den "Reifendefekt" zu beheben, der durch die Verschuldung von Porsche entstanden sei.

Piëch äußerte Zweifel, dass Wiedeking Markenchef in einem neuen VW-Porsche-Konzern werden wolle. "Der müsste sehr viele Stufen runtersteigen. Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut - ich weiß nicht."

Piëch hat in der Vergangenheit mit Andeutungen bereits mehreren Managerkarrieren ein Ende bereitet. Zuletzt hatte Bernd Pischetsrieder seinen Hut nehmen müssen, nachdem Piëch Zweifel angemeldet hatte, ob der VW-Chef noch das Vertrauen des Betriebsrats habe.

"Zwei Kranke in einem Doppelbett ergeben keinen Gesunden"

Vor einer möglichen Fusion sei eine schnelle Lösung der Finanzprobleme von Porsche nötig, sagte Piëch. "Der Schaden wird größer, wenn nicht kurzfristig gehandelt wird." Für den Stuttgarter Autobauer sei es im Augenblick aber schwer, Geld aufzutreiben. Volkswagen  dagegen komme derzeit leichter an Kredite. Daher sei auch eine Übernahme und anschließende Integration von Porsche  bei VW denkbar. "Das ist eine der Lösungen. Favorisiert ist, was schnell und schmerzarm geht."

Dem möglichen Einstieg eines dritten Investors bei Volkswagen erteilte Piëch zunächst eine Absage. "Ich kann mir keine guten Bedingungen für VW und Porsche erwarten, wenn da ein Dritter dazukommt." Zunächst müssten die akuten Probleme gelöst werden. Wenn dies erledigt sei, sei ein weiterer Investor natürlich willkommen. In der Presse war über einen Einstieg des Emirats Katar spekuliert worden. Die Araber könnten Porsche in seiner Kapitalnot helfen.

Porsche hat sich bei seinen Plänen für eine Übernahme von VW verhoben. Der Sportwagenbauer schiebt einen hohen Schuldenberg von mindestens neun Milliarden Euro vor sich her.

Am vergangenen Mittwoch hatten sich die Porsche-Eigentümerfamilien auf einen Zusammenschluss mit dem VW-Konzern geeinigt. Innerhalb von vier Wochen soll ein Plan für einen integrierten Konzern ausgearbeitet werden. In der Arbeitsgruppe sitzen neben Vertretern der Führung beider Unternehmen auch die Betriebsräte und die niedersächsische Landesregierung.

Piëch äußerte sich gelassen zu einem möglichen Bündnis von Fiat , Opel und Chrysler. Schon bei Volkswagen und Audi habe es etwa 15 Jahre gebraucht, aus den beiden Unternehmen einen integrierten Konzern zu schmieden, sagte Piëch. Daher mache er sich keine Sorgen über die sich anbahnende Allianz. "Zwei Kranke in einem Doppelbett oder gar drei geben noch keinen Gesunden. Ich bin sicher, dass die, die im Moment über Zusammenschlüsse nachdenken, keine 15 Jahre Zeit haben."

Sollte die Kooperation zustande kommen, würde dies das Ziel der Wolfsburger, zum größten Autobauer der Welt aufzusteigen, nicht gefährden, sagte der VW-Aufsichtsratsvorsitzende. Unter den drei möglichen Partnern sei "kein starker an Bord". Es reiche nicht aus, einige fußkranke Läufer zusammenzutun, um einen Weltrekord zu laufen, sagte der ehemalige VW-Chef. Piëch warnte, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen könnten ein Hindernis für eine erfolgreiche Allianz sein. Wenn sich Autohersteller allein auf den Preis und ihre Erträge konzentrierten, leide außerdem die Qualität darunter.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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