MAN Korruptionsverdacht erreicht Chefetage

Der Schmiergeldskandal beim Münchener MAN-Konzern hat offenbar größer Ausmaße als bisher angenommen. Einem Pressebericht zufolge zählt auch ein Topmanager des Unternehmens zu den Beschuldigten. Ermittler rechnen mit einer Ausweitung der Affäre.

Hamburg/München - In den Schmiergeldskandal beim Münchener Bus- und Lkw-Bauer MAN , der vergangene Woche eine Großrazzia auslöste, sind offenbar nicht nur nachgeordnete Mitarbeiter verwickelt. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL gehört zum Kreis der bislang drei Beschuldigten in München auch ein Topmanager von MAN.

Zwischen 2002 und 2005 sollen hierzulande rund eine Million Euro an fragwürdigen Provisionen an Vermittler bei Lkw- und Bus-Geschäften gezahlt worden sein. Offenbar noch ganz am Anfang stehen die Fahnder bei ihren Ermittlungen zu möglichen Schmiergeldzahlungen ins Ausland. Dorthin sollen Summen von circa 15 Millionen Euro gegangen sein, beispielsweise in Länder wie Polen, Griechenland oder in die Türkei. Die Münchener hatten dort mehrere Großaufträge eingeheimst.

Bereits vor einigen Jahren waren israelische Sicherheitsbehörden möglichen Schmiergeldzahlungen von MAN im Zusammenhang mit dem Verkauf von Bussen auf der Spur. Ermittler gehen daher davon aus, dass sich der Fall noch ausweiten könnte.

Kein Kommentar von Sprechern

Das Magazin "Focus" meldete derweil, dass die Staatsanwaltschaft München im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen einen früheren leitenden MAN-Manager vorläufig festgenommen habe. Der Münchener stehe unter Verdacht, Geld des Nutzfahrzeugherstellers auf das Schweizer Konto einer Moskauer Beratungsgesellschaft transferiert zu haben, berichtete das Magazin am Samstag vorab. Dabei könne es sich um eine Scheinfirma für illegale "Provisionen" handeln.

Der verdächtige Manager habe angegeben, es habe sich bei den Zahlungen um "Schutzgelder" gehandelt. Laut "Focus" fallen diese juristisch nicht unter Korruption.

Sprecher von Staatsanwaltschaft und MAN kommentierten die Meldungen am Samstag nicht. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft verwies auf eine umfassende Presseerklärung, die für Montag geplant sei.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass MAN beim Verkauf von Lastwagen und Bussen in sieben Länder Schmiergeld gezahlt hat. Den Ermittlungen zufolge soll Geld nach Deutschland, Italien, Libyen, Algerien, Luxemburg, Griechenland und Norwegen geflossen sein, wie das Blatt berichtete.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa