WestLB "Existenzielle Probleme" für Banken

WestLB-Chef Heinz Hilgert attackiert die Ratingagenturen. Sollten diese die strukturierten Produkte in den Bankbilanzen weiter abwerten, dann seien "nicht nur die meisten Landesbanken bedroht". Für das eigene Haus rechnet Hilgert bereits kommende Woche mit der wegweisenden EU-Entscheid: der Forderung zum Verkauf der WestLB.

Düsseldorf/Hamburg - Die Forderung der EU-Kommission nach einem Verkauf der angeschlagenen WestLB steht nach Einschätzung von deren Chef unmittelbar bevor. Er rechne damit, dass die Brüsseler Wettbewerbshüter dies schon in der neuen Woche verlangten, zitierte das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL WestLB-Lenker Heinz Hilgert in einem Vorabbericht.

Die Entscheidung dürfte bereits am Mittwoch fallen, berichtet unterdessen die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Die EU-Kommission werde die milliardenschweren überlebensnotwendigen Garantien für die WestLB endgültig billigen und dafür im Gegenzug den Verkauf der Landesbank fordern, hieß es. Eine entsprechendes Bieterverfahren solle grundsätzlich 2011 abgeschlossen werden.

Die WestLB ist der erste Garantiefall der Landesbanken, über den die EU-Kommission entscheidet. Hintergrund sind die fünf Milliarden Euro umfassenden Garantien der Eigentümer für die Bank, mit denen sie für riskante Investments des Geldhauses in einer Höhe von 23 Milliarden Euro bürgen.

Die WestLB hatte den Kartellwächtern eigentlich einen Fusionspartner aus dem Lager der Landesbanken präsentieren wollen, doch alle entsprechenden Gespräche waren im Sand verlaufen. Nun soll das Institut den Kreisen zufolge nach dem Vorbild der Bankgesellschaft Berlin zum Verkauf gestellt werden. Die spätere Landesbank Berlin war auf Druck der EU-Kommission 2007 für rund fünf Milliarden Euro vom Land Berlin an die Sparkassen veräußert worden.

Zugleich kritisierte Hilgert die Rolle der Ratingagenturen, diese bedrohten durch die Abwertung strukturierter Anlageprodukte in den Bilanzen die Banken in ihrer Existenz. Die brutale Eigendynamik dieser Entwicklung sei noch nicht überall angekommen, sagte laut SPIEGEL. "Wenn bis zum Sommer nichts passiert, sind nicht nur die meisten Landesbanken bedroht."

"Bereit, mit anderen Banken zu fusionieren"

Durch die Abwertung müssten die Banken immer mehr Eigenkapital aufbringen. Die Landesbanken seien nur dann überlebensfähig, wenn sie eine Chance bekämen, belastete Aktiva, die immer mehr Eigenkapital erfordern, auszugliedern. Das Bundeskabinett will am kommenden Mittwoch einen Gesetzentwurf von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf den Weg bringen, um die Banken in der Finanzkrise von den milliardenschweren Problempapieren zu entlasten.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Ratingagentur Standard & Poors die WestLB - wie auch andere Landesbanken - abgewertet. Die von Ratingagenturen vergebenen Kennziffern zur Einschätzung der Bonität der Unternehmen sind auch dafür wichtig, zu welchen Konditionen sie sich refinanzieren können.

Der Zeitpunkt der Abwertung sei für ihn nicht nachvollziehbar, sagte Hilgert. Die WestLB AG werde in wenigen Tagen ihr bestes erstes Quartal seit Bestehen, "ein deutlich dreistelliges Millionenergebnis" vorlegen. Das Kernkundengeschäft wachse, und die Verwaltungskosten seien um fast ein Viertel gesenkt worden.

Für das erste Quartal, über das die WestLB in Kürze berichten wird, stellte Hilgert laut SPIEGEL ein "deutlich dreistelliges Millionenergebnis" in Aussicht. Das Kernkundengeschäft wachse, die Verwaltungskosten seien um fast ein Viertel gesenkt worden.

Die WestLB ist nach Hilgerts Worten bereit, "mit anderen Banken zu fusionieren und dabei ihre Rechtspersönlichkeit aufzugeben. Über diesen Schatten müssen auch einige andere Banken noch springen, die in einer ähnlich schwierigen Situation stecken". Er gehe davon aus, dass die Konsolidierung der Landesbanken notfalls von der EU- Kommission erzwungen wird.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

WestLB: Die Krise der Landesbank in Daten

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