Opel Guttenberg plant für GM-Insolvenz

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stellt sich auf eine Insolvenz der Opel-Mutter General Motors ein. Für diesen Fall denke er über ein Modell nach, bei dem die GM-Anteile an Opel vorübergehend an einen Treuhänder gehen. Zugleich kritisierte der CSU-Politiker scharf das Verhalten von GM gegenüber Opel.

Hamburg/Frankfurt am Main - Der Treuhänder würde die Interessen von Gläubigern und Schuldnern wahren. "Gleichzeitig könnte ein Bankenkonsortium dem Unternehmen in dieser Zeit Überbrückungshilfen gewähren", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. So wäre der Bestand der Firma gesichert, bis eine endgültige Einigung herbeigeführt worden ist.

Interesse an Opel haben der italienische Fiat-Konzern (Kurswerte anzeigen) und der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna (Kurswerte anzeigen) bekundet. Ob der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM)  wie sein US-Konkurrent Chrysler in den Bankrott gehen wird, ist nach Worten von US-Finanzminister Timothy Geithner noch nicht klar. GM hat bis Anfang Juni Zeit, um der amerikanischen Regierung einen Sanierungsplan vorzulegen.

Eine Übergangsbeteiligung des Staats an Opel, die SPD und Gewerkschaften fordern, lehnte Guttenberg erneut strikt ab. "Das funktioniert betriebswirtschaftlich nicht und würde für die Steuerzahler zu einem Milliardengrab." Scharf kritisierte er das Verhalten von GM gegenüber Opel. "Ehrlich gesagt, haben wir uns auch schon gewundert, wie schnell sich die Zahlen aus Detroit ändern können." Dahinter steht der Verdacht, das GM seit Wochen Verluste nach Europa verschiebt.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz hat den Mutterkonzern General Motors beschuldigt, erneut einen Teil seiner Verluste in Europa abgeladen zu haben. Die Europa-Tochter GM Europe schrieb im ersten Quartal einen Vorsteuerverlust von zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro). Daraufhin kritisiert Franz, GM habe neben den Umstrukturierungskosten für die schwedische Tochter Saab auch noch weltweite Entwicklungsaufwendungen nachträglich mit 400 Millionen Dollar sowie Währungsverluste mit weiteren 400 Millionen Dollar bei der Europa-Tochter geltend gemacht.

Der Autozulieferer Magna will einem Bericht der "Rheinischen Post" zufolge mit russischer Hilfe aus Opel einen europäisch-russischen Autokonzern formen. Dieser solle mit einer Jahresproduktion von bis zu fünf Millionen Fahrzeugen zu den weltweit führenden Massenherstellern gehören. Alleine in Russland soll Opel nach einem internen Konzept mit dem Projektnamen "Beam" künftig eine Million Autos pro Jahr verkaufen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Am 20. Mai will die Magna-Spitze demnach das Konzept Vertretern der Bundesregierung präsentieren. An der Spitze des neuen Unternehmens soll das bisherige europäische GM-Management stehen, darunter GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster. Die vier Opel-Werke in Deutschland sollen vollständig erhalten bleiben, ebenso die Konzernzentrale in Rüsselsheim. Als Anteilseigner sind neben Magna (19,9 Prozent) der russische Autobauer Gaz mit der russischen Großbank Sberbank (30,1 Prozent), General Motors (bis zu 40 Prozent) sowie das Opel-Management und Händler vorgesehen.

manager-magazin.de mit Material von afp, dpa, ddp und reuters

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