VW/Porsche Wiedekings Fusionskonzept

Die Familien Porsche und Piëch sollen auch in einem neuen VW-Porsche-Konzern die größten Aktionäre werden. Das sieht der Plan vor, den Wendelin Wiedeking einem Medienbericht zufolge den Familien präsentierte. Bei den Sonderrechten des Landes Niedersachsen und der Beschäftigten knickt der Porsche-Chef jedoch offenbar ein: Sie sollen auch im neuen Konzern gelten.

Hamburg - Das Konzept, das von der Deutschen Bank und Goldman Sachs erarbeitet worden sei, weise aus, dass an einem vereinten Volkswagen-Porsche-Konzern die Familien je nach Bewertung zwischen 45 und 55 Prozent der Aktien halten könnten. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin der SPIEGEL vorab aus seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Das Land Niedersachsen käme dem Bericht zufolge auf einen Anteil zwischen 21 und 25 Prozent. Sitz der Konzernführung soll nicht Stuttgart sein, wo derzeit die Porsche Automobil Holding angesiedelt ist, sondern Wolfsburg oder Hannover.

Es ist aber noch offen, ob das Konzept umgesetzt werden kann. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ist nach Informationen des SPIEGEL nicht bereit, Risiken von Porsche  in einen möglichen gemeinsamen Konzern mit Volkswagen  zu übernehmen. Wulff sieht in den Milliardenaktienoptionen, die Porsche hält, ein unkalkulierbares Risiko.

Porsche-Chef Wiedeking ist laut SPIEGEL bereit, dem Land Niedersachsen in einem neuen Unternehmen die gleichen Rechte zuzugestehen, die das VW-Gesetz Niedersachsen zurzeit gewährt. Dies würde dazu führen, dass Niedersachsen seine Sperrminorität behält, selbst wenn das VW-Gesetz doch noch einmal fallen sollte.

Osterloh: Neuer VW/Porsche-Konzern soll AG werden

Auch nach dem Willen der Belegschaften darf bei der möglichen Verschmelzung von Volkswagen und Porsche am VW-Gesetz nicht gerüttelt werden. "Das werden wir nicht preisgeben", bekräftigte der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Darin sei er sich mit Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück einig.

Die Schutzrechte der Belegschaften, die das VW-Gesetz biete, müssten unverändert Bestand haben. Eine Fusion von VW und Porsche mit neuer Dachgesellschaft sei für ihn daher eher "unwahrscheinlich", sagte Osterloh. Er betonte, dass "für uns nur eine deutsche Aktiengesellschaft wie die heutige VW AG infrage kommt".

Am Mittwoch hatten sich die Porsche-Eigentümerfamilien auf ein Zusammengehen des hoch verschuldeten Sportwagenherstellers Porsche mit dem Volkswagen-Konzern geeinigt. Innerhalb von vier Wochen sollen die Vorstände beider Unternehmen einen Plan für einen "integrierten Automobilkonzern" ausarbeiten.

Zugleich übte Osterloh scharfe Kritik an den Machtkämpfen der vergangenen Wochen. Die Belegschaften und das Management sollten sich möglichst schnell wieder in Ruhe der Herausforderung stellen können, die besten Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen. Volkswagen schlage sich in der Finanzkrise deutlich besser als andere. Das zeige die Stärke von VW. "Und deshalb müssen wir den Erfolgsweg unseres Chefs Martin Winterkorn gemeinsam mit aller Kraft weitergehen", sagte Osterloh.

Osterloh sprach sich zudem dafür aus, dass Ferdinand Piëch auch den Aufsichtsratsvorsitz einer neuer VW/Porsche-Gesellschaft übernehmen solle. "Mit unseren Stimmen kann er rechnen", sagte Osterloh. Die Beschäftigten hätten mit Piëch gute Erfahrungen gemacht, weil er stets an der Sache orientiert gearbeitet und immer das Wohl von Volkswagen im Auge habe. Allerdings stehe noch lange nicht fest, dass es überhaupt eine neue Gesellschaft gebe, sagte Osterloh.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp