EZB Inflation zieht an, Zinsen sinken

Die Inflation wird nach Ansicht von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zum Jahresende wieder steigen. Gleichzeitig gehen Analysten davon aus, dass die EZB den Leitzins auf den historischen Tiefstand von 1 Prozent senken wird. Der Konjunkturchef des Ifo Instituts hat unterdessen vor einer radikalen Leitzinssenkung gewarnt.

Berlin - "Die Inflationszahlen auf Jahresbasis werden in den kommenden Monaten sogar negative Werte ausweisen, wegen der fallenden Preise für Öl, Energie und Rohstoffe", sagte Jean-Claude Trichet, der Chef der Europäischen Zentralbank, der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch. "Gegen Ende des Jahres werden die Inflationszahlen wieder anziehen."

Die Inflationserwartungen lägen derzeit bei 1,9 Prozent, seien also im Einklang mit der Definition der EZB von Preisstabilität. Diese definieren die Währungshüter bei einer Jahresteuerung von unter, aber nahe zwei Prozent. Die Inflationsrate in der Euro-Zone lag im März bei 0,6 Prozent und damit so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung 1996.

Wie die EZB weiter mitteilte, ist das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 im März mit 5,1 (Februar: 5,9) Prozent weiter zurückgegangen. Analysten hatten im Schnitt mit einer Verlangsamung des Geldmengenwachstums auf lediglich 5,7 Prozent gerechnet.

Die Vergabe von Buchkrediten an den privaten Sektor stieg um 3,2 Prozent. Erwartet hatten Fachleute ein Plus von 3,5 Prozent. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Januar bis März) wuchs M3 mit einer Jahresrate von 5,6 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Experten zufolge wird die EZB ihren Leitzins kommende Woche senken und dann längere Zeit auf dem historischen Tief von 1 Prozent halten. Alle 79 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten gehen davon aus, dass die Frankfurter Währungshüter ihren Leitzins von 1,25 Prozent am 7. Mai erneut kappen werden. Die Fachleute rechnen weitgehend damit, dass die EZB den Schlüsselzins bis Ende 2010 dann unverändert lässt.

Kai Carstensen, der Konjunkturchef des Ifo Instituts, hat unterdessen vor einer radikalen Leitzinssenkung in der Euro-Zone gewarnt. Eine Senkung auf Null könne zu Problemen führen, sagte Carstensen den "VDI Nachrichten". "Zum Beispiel könnten Geldmarktfonds in den Ruin getrieben werden", sagte Carstensen. Wichtiger sei, dass die EZB andere Maßnahmen ergreife, um die Kreditversorgung zu sichern und anzukurbeln. Im Extremfall müsse sie auch bereit sein, direkt Anleihen zu kaufen, um die Finanzmärkte zu stabilisieren.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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