"Hochzeitsrabatte" Kartellamt durchsucht Edeka-Zentrale

Edeka wird beschuldigt, gegen das Wettbewerbsgesetz verstoßen haben. Nachdem das Bundeskartellamt den Zusammenschluss der Edeka-Discountkette Plus mit Netto genehmigt hatte, soll der Einzelhandelskonzern von den Lieferanten sogenannte "Hochzeitsrabatte" nachgefordert haben.

Bonn - Das Bundeskartellamt hat am Mittwoch die Zentrale des Einzelhandelskonzerns Edeka in Hamburg durchsucht. Es bestehe der Verdacht, dass Edeka seine Nachfragemacht im Lebensmittelhandel gegenüber den Lieferanten von Lebensmitteln unter Verstoß gegen kartellrechtliche Bestimmungen ausgenutzt habe, teilte die Bonner Behörde mit.

Ein Edeka-Sprecher sagte zu Dow Jones Newswires, er könne bestätigen, dass das Bundeskartellamt im Hause war. Es liege in der Natur der Sache, dass Edeka die volle Unterstützung gewährleiste.

Das Bundeskartellamt hatte am 30. Juni 2008 den Zusammenschluss der Edeka-Discountkette Plus mit Netto, der Discountkette des Wettbewerbers Tengelmann genehmigt. Nun wirft die Bonner Behörde Edeka vor, im Zuge des Zusammenschlusses der beiden Discountketten von den Lieferanten sogenannte "Hochzeitsrabatte" nachgefordert zu haben.

Edeka soll dabei gegen das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen verstoßen haben, indem sie den Zusammenschluss zum Anlass nahm, von ihren Lieferanten Vorteile forderte, ohne das hierfür ein sachlich gerechtfertigter Grund vorgelegen habe, argumentiert das Bundeskartellamt. Die Forderungen seien zu einem Zeitpunkt erhoben worden, zu dem die Jahresvereinbarungen mit den Lieferanten bereits abgeschlossen gewesen seien.

Derweil kündigte Edeka ebenfalls am Mittwoch an, seinen Expansionskurs voranzutreiben. Bis 2011 sollen bundesweit rund 1450 neue Filialen eröffnet und 8000 Stellen geschaffen werden, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Das erste Quartal 2009 bestätige die Planungen, auch das Ostergeschäft habe deutlich über dem Vorjahresniveau gelegen. Mit Blick auf die ersten drei Monate sagte Vorstandschef Markus Mosa: "Die See ist stürmisch". Allerdings sei Edeka "ein stabilisierender Wachstumsmotor für Deutschland".

Im vergangenen Jahr erhöhte die Edeka-Gruppe ihren Umsatz den Angaben zufolge gegenüber 2007 um 2,3 Prozent auf 36,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 1,2 Prozent auf mehr als 1,19 Milliarden Euro zu. Die Erlöse im Lebensmitteleinzelhandel stiegen um 4,9 Prozent auf 32,0 Milliarden Euro. Dazu steuerten die mehr als 4500 selbstständigen Einzelhändler 16,1 Milliarden Euro und die Discount-Sparte Netto Marken-Discount 4,2 Milliarden Euro bei.

Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen, das Ende 2008 rund 262.000 Beschäftigte zählte, einen Umsatz von 43 Milliarden Euro. Mosa erwartet, dass zukünftig die Hälfte des Umsatzes "im preisaggressiven Discount-Geschäft erlöst" wird. Vor diesem Hintergrund bezeichnete er die Übernahme von mehr als 2300 Plus-Filialen zu Beginn dieses Jahres als Meilenstein. Mit nunmehr 3700 Märkten soll die Sparte Netto Marken-Discount zehn Milliarden Euro erlösen.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und ddp

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