Wirtschaftskrise Siemens kappt Gewinnprognose

Siemens hat in seinem zweiten Geschäftsquartal stark unter der Wirtschaftsflaute gelitten. Der Auftragsrückgang beschleunigte sich, davon betroffen war nach Unternehmensangaben vor allem das Industriegeschäft. Die Börse scheint die Zahlen trotzdem zu honorieren.

Berlin - Der Mischkonzern Siemens  hat angesichts zusammengeschmolzener Bestellungen die eigenen Gewinnerwartungen runtergeschraubt. Das Unternehmen rechnet nun in seinen drei Kernfeldern Industrie, Energie und Medizintechnik mit einem Ergebnis über dem Niveau des Vorjahres von 6,6 Milliarden Euro, wie Siemens am Mittwoch am ehemaligen Firmensitz Berlin mitteilte.

Bislang hatte sich die Konzernführung trotz der zunehmenden Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Lage geweigert, von den vor einem dreiviertel Jahr angesetzten acht bis 8,5 Milliarden Euro abzurücken. Es mehrten sich aber die Zeichen für eine Senkung.

Nachdem bislang nur das Industriegeschäft in größerem Maße unter rückläufigen Bestellungen gelitten hatte, musste nun auch die Energiesparte deutlich zurückstecken. Hier erwartet das Unternehmen weiteren Druck. Konzernweit fielen die Auftragseingänge im zweiten Geschäftsquartal (Ende März) um 11 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Damit beschleunigte sich der Rückgang, der im Vorquartal erst 8 Prozent betragen hatte. Analysten hatten aber mit einem noch weiteren Abgleiten gerechnet.

Angesichts noch voller Auftragsbücher aus der Boomzeit stieg der Umsatz indes um 5 Prozent auf knapp 19 Milliarden Euro. Das Ergebnis der drei Sektoren - die betriebliche Gewinngröße - verbesserte sich überproportional von 1,3 auf 1,8 Milliarden Euro. Unterm Strich stieg der Gewinn von 412 Millionen auf gut 1 Milliarde Euro. Im Vergleichszeitraum hatten allerdings hohe Belastungen insbesondere aus verzögerten Kraftwerks-Projekten den Profit geschmälert. Die Erholung fiel jedoch weit stärker aus als von Analysten erwartet.

Kurzarbeit auch bei Siemens

Umsatz- und Ergebnistreiber im zweiten Quartal war einmal mehr das Geschäft mit Kraftwerken, Windkraftanlagen und Stromnetzen. Auch die Medizintechnik verbesserte sich trotz anhaltender Einsparungen im wichtigen US-Gesundheitsmarkt. Zu leiden hatte dagegen das Industriegeschäft und hier insbesondere die Industrieautomatisierung, die Antriebstechnik und die Lichttochter Osram. Erstere beiden hängen stark am Maschinenbau, wo sich die Aufträge in den vergangenen Monaten halbiert haben. Bei Osram hat die Absatzkrise der wichtigen Autokunden tiefe Spuren hinterlassen.

Siemens ist bislang vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschaftsflaute gekommen. Dass die Probleme aber zunehmen, zeigte schon die jüngst ausgeweitete Kurzarbeit. Nach letztem Stand sind 12.000 Mitarbeiter betroffen, die Zahl könnte bis Juni auf 19.000 steigen. Ende März waren es erst 7.000 Mitarbeiter gewesen. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 132.000 Menschen in Deutschland und 427.000 weltweit. Betriebsbedingte Kündigungen hierzulande soll es dieses Jahr trotz Flaute aber nicht geben.

Mit einem Sparprogramm in Vertrieb und Verwaltung versucht Siemens, die Auswirkungen der Krise einzudämmen. Ein zweites Sparprogramm beim Einkauf läuft gerade an: Siemens will die Zahl der Zulieferer senken und Bestellungen zentraler organisieren. Beobachter rechnen jedoch nicht damit, dass dies den Druck auf das Ergebnis ausgleichen kann. Angesichts dessen erwarteten die Experten seit Monaten ein Absenken der Prognose.

"Ausgezeichnet in solchen Zeiten", kommentiert ein Händler die Zahlen. Vor allem das operative Ergebnis habe die Marktbefürchtungen übertroffen. "Dass sie eine Gewinnwarnung bringen, hatte der Markt schon lange eingepreist", so der Händler: "Aber die Überraschung ist, dass sie die Befürchtungen von nur 6 Milliarden Euro Ergebnis so deutlich übertroffen haben". Zudem seien sämtliche Gewinnziffern bis hin zum Auftragseingang besser als erwartet. Lediglich das Nachsteuerergebnis liege wegen Sondereffekten leicht darunter.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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