Dienstag, 23. Juli 2019

Josef Ackermann Der selbsternannte Krisengewinnler

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat schon oft das Ende der Krise oder sich selbst zum Gewinner ausgerufen. Diesmal scheint ihm seine Quartalsbilanz Recht zu geben. Die Bank verdient wieder wie zu besten Zeiten und profitiert von der Schwäche der Konkurrenz. Ganz risikofrei ist aber auch Ackermanns Musterbank nicht.

Frankfurt am Main - Er genießt es sichtlich. Josef Ackermann ist nicht nur gebeten worden, die größte deutsche Bank für drei weitere Jahre zu führen. Er kann sich auch im strahlenden Licht einer Quartalsbilanz sonnen, die einen Milliardengewinn ausweist. Und an diesem Dienstagvormittag darf er der Öffentlichkeit diesen doppelten Erfolg darlegen.

Erfolgsmensch Ackermann: "Die Zahlen beweisen, dass wir richtig liegen und die anderen falsch lagen"
Er bittet seinen Finanzvorstand Stefan Krause, diese Grafik noch einmal zu zeigen - und auch der kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Die Grafik zeigt, wie die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen im Vergleich mit den internationalen Wettbewerbern dasteht, gemessen an der Eigenkapitalquote. Die Deutsche Bank hat mit 10,2 Prozent ihr Ziel erreicht - und das trotz des teuren Zukaufs bei der Postbank Börsen-Chart zeigen, wie Ackermann betont. Die anderen dagegen lägen ohne Staatsgeld - "das ja auch irgendwann zurückgezahlt werden muss" - deutlich darunter, beispielsweise die Amerikaner von J. P. Morgan Chase Börsen-Chart zeigen, deren Analyst gerade vor gewaltigen Risiken bei der Deutschen Bank und einer drohenden Kapitalerhöhung gewarnt hatte.

So laufe das Spiel eben, wiegelt Ackermann ab. Der Analyst einer Investmentbank redet die Konkurrenz schlecht, dann bietet man dem Analyseopfer noch seine Dienste an, falls tatsächlich ein neuer Deal zur Kapitalbeschaffung nötig würde - "so machen wir das mit den anderen ja auch". Der Unterschied, lässt Ackermann wissen, liege darin, dass die Deutsche Bank es sich leisten könne.

Sie habe eben keine staatliche Kapitalbeteiligung nötig, sie habe den Großteil der Verluste aus riskanten Wertpapieren bereits bewältigt, sie habe sich konsequent gesundgeschrumpft, sie müsse in diesem Jahr kaum neue Kredite ablösen, sie verzichte auf manche milliardenschwere Bilanztricks der anderen, sie brauche kaum weitere Risikovorsorge, sie sei in allen Geschäftsfeldern breit aufgestellt, sie nehme den strauchelnden Wettbewerbern Marktanteile ab, sie verkrafte sogar weitere Milliardenabschreibungen mühelos, kurzum: Die Deutsche Bank unter Ackermanns Führung macht alles richtig.

"Ich glaube, die heutigen Zahlen beweisen nachdrücklich, dass wir richtig liegen und die anderen falsch lagen", erklärt Ackermann. Damit meint er vor allem diejenigen Kritiker, die wegen der Krise das Ende des Investmentbankings ausgemacht und ein Zurück zum einfachen, margenschwachen Privatkundengeschäft im Heimatmarkt prophezeit hatten.

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