Mittwoch, 17. Juli 2019

Kommentar Ackermann beerbt Ackermann

Nun macht er also doch weiter. Josef Ackermann geht entgegen allen vorher anders lautenden Aussagen bei der Deutschen Bank in die Verlängerung. Doch der Korrektur der Lebensplanung muss endlich auch der Mentalitätswandel folgen.

Hamburg - Selbst wer es in den vergangenen Jahren mit Josef Ackermann gut meinte - und das waren wahrhaftig nicht besonders viele -, konnte am Vorstandschef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen regelmäßig schier verzweifeln. Immer wenn es das Gebot der Stunde gewesen wäre, ein guter Banker zu sein, gab der Schweizer eisern den guten Banker.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint
Solange diese Linie dazu führte (oder zumindest nicht verhinderte), dass Ackermann auch ein guter Deutschbanker war, sprich Rekordergebnisse einfuhr, war das für ihn kein wirkliches Problem.

Nun - ein starkes erstes Quartal hin oder her - stimmen die Zahlen nicht mehr. Und schlimmer noch als die sich in der Bilanz auftürmenden Risikoberge wiegt das, was von den Fluren der Deutschen Bank seinen Weg nach draußen findet: Ackermann wirke strategie-, ja sogar planlos. Sein Haus stehe zu sehr auf einem Fuß, monieren Kritiker. Das nun wegbrechende Geschäftsfeld Investmentbanking sei zu einseitig dem Hoffnungswert Privatkundengeschäft vorgezogen worden.

Dass sich diese Situation nicht binnen von zwölf Monaten, also bis zur Hauptversammlung 2010, bereinigen lässt, ist nun auch Josef Ackermann klar geworden. Schon gar nicht von einer "lame duck", die damit beschäftigt wäre, einen Nachfolger zu suchen, statt sich um das Geschäft zu kümmern. Was also tun?

Einfach den Bettel hinzuschmeißen und die Leitung des deutschen Branchenprimus an seinen Weggefährten und Risikovorstand Hugo Bänziger oder den allseits respektierten Jürgen Fitschen zu übergeben, hätte der Mentalität eines Josef Ackermann nicht entsprochen, ein Schweizer Reserveoffizier begeht keine Fahnenflucht.

Daher ist es wohl nicht nur loyale Bereitschaft, sondern auch eine Forderung Ackermanns gewesen, entgegen allen Beteuerungen in der Vergangenheit nun doch in die Verlängerung zu gehen, um eigenhändig den Laden aufzuräumen. Sich dieser Belastung zu stellen - erinnert sei an den Zusammenbruch Anfang des Jahres - verdient Respekt.

Die überraschende Personalie zeigt allerdings auch, wie sehr sich die Deutsche Bank von ihrem Primus Josef Ackermann abhängig gemacht hat. Ein Nachfolger wurde nicht rechtzeitig aufgebaut. Das Vakuum an der Spitze ist so groß, dass sogar der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig erwog, vom Kontrollsitz an die Spitze des Vorstandes zu wechseln, wie das manager magazin in seiner jüngsten Ausgabe schreibt.

Doch Ackermann ist jetzt auf Bewährung. Denn ein Weiter so können sich weder die Deutsche Bank noch der Finanzplatz Deutschland leisten. Ganz unabhängig von der Krise muss Josef Ackermann endlich begreifen, dass gut gemeint das Gegenteil von gut ist.

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