Umfrage Dax-Konzerne streichen mehr Jobs

Düstere Aussichten am Arbeitsmarkt: Die großen deutschen Konzerne werden laut einer Umfrage mehr Stellen streichen als bislang erwartet. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz findet es gar "unseriös", in der derzeitigen Krise einen Personalabbau grundsätzlich auszuschließen.

München - Die großen deutschen Konzerne werden Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) bei einem Treffen am Montag eine schlechte Nachricht überbringen: Die 30 Dax-Unternehmen werden noch mehr Stellen streichen als bisher erwartet. Das ergab eine Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) bei den 30 Konzernen.

Seit dem Jobgipfel im Kanzleramt Mitte Dezember habe sich die Lage in den Unternehmen deutlich verschärft. Scholz will in Berlin mit den Personalchefs der im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Unternehmen über die Rettung von Stellen in der Wirtschaftskrise beraten.

Die meisten Konzerne wollten sich zwar mit Kurzarbeit über die Runden retten, um Entlassungen zu vermeiden. Doch anders als noch Ende des vorigen Jahres denken inzwischen viele Unternehmen über den Abbau von Arbeitsplätzen nach, wie die Zeitung weiter schreibt. Ekkehard Schulz, Vorstandschef von ThyssenKrupp , sagte sogar: "Es ist unseriös, in der derzeitigen Krise, die an Heftigkeit ein Novum darstellt, einen Personalabbau grundsätzlich auszuschließen."

Siemens-Chef Peter Löscher stehe unter besonderem Druck. Er habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Dezember versprochen, 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Betriebsräte befürchteten, dass es spätestens 2010 zu härteren Maßnahmen komme.

Auch bei den Banken werde die Zahl der Jobs reduziert, auch wenn das offiziell nicht per Kündigung geschehe. Die Commerzbank  wolle wegen der Übernahme der Dresdner Bank 9000 Stellen abbauen, davon 6500 in Deutschland. Dies solle über Abfindungen, natürliche Fluktuation und Altersteilzeit geschehen; ähnlich wolle die Deutsche Bank vorgehen. Nur wenige Unternehmen wie Fresenius  seien von der Krise nicht betroffen. VW  und der Rohstoffkonzern K+S  sähen in ihren Geschäften erste kleine Zeichen der Besserung.

Minister Scholz will den Unternehmen nach Informationen der Zeitung mit zusätzlichen Maßnahmen helfen. Er erwäge die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes von 18 auf 24 Monate. Diese Verlängerung sei in der Koalition konsensfähig, hieß es in der Regierung.

Voraussichtlich werde man den Wirtschaftsgipfel am kommenden Mittwoch im Kanzleramt abwarten, bevor die Maßnahme angekündigt werde. Im Gespräch sei auch die Gründung von Transfergesellschaften. In diese könnten notleidende Firmen Mitarbeiter überführen.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp und dpa

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