General Motors "Die Uhr tickt"

GM-Chef Fritz Henderson bezeichnet eine Insolvenz als immer wahrscheinlicher - und treibt den Ausverkauf des einst weltgrößten Autokonzerns voran. Für Opel gebe es wenigstens sechs Interessenten, Saab könnte notfalls verschenkt werden. GM will nur noch an vier seiner 13 Automarken als strategischem Kern festhalten.

Detroit - General Motors  hat offenbar konkrete Pläne für seine deutsche Tochter Opel. Für den größten europäische Besitz des Unternehmens, der sich weitgehend von Detroit abkoppeln und den GM nur noch als Minderheitsaktionär behalten will, spricht Henderson von "mehr als sechs" Interessenten. Dazu gehörten Finanzinvestoren und andere Autokonzerne. Hier habe der Konzern etwas Luft gewonnen, weil ernste Liquiditätsprobleme nun erst "gegen Ende des zweiten Quartals" erwartet würden. Vielleicht der Abwrackprämie sei Dank: Besonders den gestiegenen Absatz in Deutschland und den Erfolg des neuen Opel Insignia hebt Henderson hervor.

Nüchtern, fast leidenschaftslos beschreibt Fritz Henderson die Lage seines Konzerns, einst der Stolz der amerikanischen Industrie. "Unser Hauptziel ist es, die Bilanz zu sanieren", erklärt der neue Mann an der Spitze von General Motors (GM) , der die Öffentlichkeit am Freitag über den Stand der Sanierungspläne informiert. Das Unternehmen brauche einen stabileren Cash Flow, um seine Schulden bedienen zu können. Ob das mit oder ohne Insolvenzverfahren besser gehe, das müsse man dann mal sehen. "Wir fahren zweigleisig", so nennt Henderson das.

Für diese Entscheidung hat Hendersons Team schon eine Frist: Bis zum 1. Juni will die US-Regierung, die dem Konzern bereits mit 13,4 Milliarden Dollar ausgeholfen hat, einen neuen Geschäftsplan sehen. Dann könnten weitere 5,6 Milliarden bewilligt werden - oder, falls der Plan in Washington durchfällt, wird eben "Chapter 11" greifen, der Gläubigerschutz nach amerikanischem Insolvenzrecht. So lange wird GM die Politik nicht warten lassen, stellt Henderson klar. Das überarbeitete Geschäftsmodell werde Anfang Mai, vielleicht schon in der kommenden Woche stehen. "Die Uhr tickt, ganz klar."

Nicht nur Washington sitzt den Detroitern im Nacken, auch andere Regierungen von Ländern mit GM-Werken machen ihre Interessen geltend und winken gleichfalls mit Milliardenhilfen. Parallel versucht Henderson vor allem der US-Gewerkschaft UAW neue Zugeständnisse abzuringen - und sich bei den Gläubigern Luft zu verschaffen. Inhaber von Anleihen sollten ihre Papiere in GM-Aktien umtauschen, heißt es in Presseberichten - im Insolvenzfall wäre das ein schlechter Deal. Noch liege nichts auf dem Tisch, versucht Henderson zu beruhigen. Man sei lediglich mit allen Seiten im "Dialog".

Saab schnellstmöglich verkaufen

Konkreter wird der Manager beim Umbau der Konzernstruktur. Meldungen, nach den europäischen Töchtern Opel und Saab, dem Geländewagenbauer Hummer und der Marke Saturn stünden nun auch die Kleintransportermarke GMC und der Volumenhersteller Buick zum Verkauf, weist Henderson zwar noch als "pure Spekulation" zurück. GM baue weiterhin auf eine "Vier-Marken-Strategie", das heißt: Die großen US-Marken Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC sollen im Konzernverbund verbleiben.

Absolut sicher sei allerdings gar nichts. "Wie in einem Due-Diligence-Prozess bei einer Private-Equity-Firma" werde der ganze Konzern durchleuchtet und komme auf den Prüfstand, erklärt der Konzernchef. Für die Emotionen der Beschäftigten, der Autofans und der Bewohner der Region ist da kein Platz.

Saab in Schweden dagegen soll schnellstmöglich verkauft werden. "Eine Anzahl Parteien" habe konkretes Interesse bekundet und sehe bereits die Bücher ein, sagt Henderson. Von den Interessenten seien zehn ausgewählt worden, die einen detaillierten Einblick in die Geschäfte der GM-Tochter erhalten sollen, sagte Saab-Chef Jan-Åke Jonsson der "Financial Times". Bei den ausgewählten Interessenten handele es sich um Beteiligungsgesellschaften, Finanzinvestoren und "internationale Autobauer". Laut der Zeitung wäre GM sogar bereit, Saab zum Nulltarif abzugeben.

Das Unternehmen ist bereits insolvent, nach inoffiziellen Angaben verfügt Saab nur noch bis Ende des Monats über Mittel zur Finanzierung der Produktion. Zur Entwicklung neuer Modelle und für die weitere Produktion im Stammwerk Trollhättan benötigt Saab laut Lofalk eine Milliarde Dollar (740 Millionen Euro). Davon sollen 600 Millionen Dollar als Kredit von der Europäischen Investitionsbank (EIB) kommen und 400 Millionen Dollar von GM gestellt werden.

Für Saturn meldete unter anderem bereits ein Konsortium aus Finanzinvestoren und Händlern Interesse an. Es gebe "mehr als diesen einen Bieter", lässt Henderson wissen. Für Hummer, den Hersteller der derzeit schwer verkäuflichen Riesenvehikel, erwarte er sogar drei Gebote in der kommenden Woche.

Beim konzerneigenen Autozulieferer A. C. Delco dagegen habe man den laufenden Verkaufsprozess gestoppt. Die Entscheidung sei ganz pragmatisch gefallen, erklärt Henderson. Das Unternehmen gehöre zwar nicht zum Kerngeschäft, arbeite aber profitabel - und die Finanzinvestoren, die als Käufer infrage kämen, könnten derzeit nicht genug Mittel aufbringen, um einen angemessenen Preis zu zahlen. "Dieses Umfeld hilft niemandem", stellt der GM-Chef fest.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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