Montag, 16. September 2019

Autoabsatz Deutschland wrackt ab, Fiat steigt auf

Fiat glänzt in der Krise: Während der gesamte Pkw-Verkauf in Europa im März um 9 Prozent einbrach, verzeichnen die Italiener ein Absatzplus von knapp 15 Prozent. Auf Jahressicht steigerte der Konzern seine Verkaufszahlen in Deutschland sogar um 200 Prozent.

Mailand - Fiat Börsen-Chart zeigen ist damit der einzige Autobauer Europas, der seine Absatzzahlen steigern konnte. Sein Marktanteil stieg binnen Jahresfrist von 7,4 auf 9,2 Prozent.

Abwrackprämie sei dank: Fiat fährt mit seinen Kleinwagen der Konkurrenz davon
Besonders erfolgreich schnitten die Italiener in Deutschland ab, dem Land der 2500-Euro-Abwrackprämie. Hier konnte Fiat den Absatz um sage und schreibe 200 Prozent steigern, wie der Konzern am Donnerstag bekanntgab. Auch in Frankreich lief es mit einem Verkaufsplus von 25 Prozent sehr gut für die Italiener, während es im eigenen Land keine Zugewinne gab. In allen drei Ländern hätten die Regierungen mit der Verschrottungsprämie wirksame Anreize zum Kauf neuer, energiesparender Autos geboten.

Fiat verhandelt derzeit über einen Einstieg beim taumelnden US-Autobauer Chrysler. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat allerdings damit gedroht, ohne Entgegenkommen der US-Autogewerkschaft die angestrebte Allianz platzen zu lassen. Chrysler könnte bei einem Rückzug von Fiat die Insolvenz drohen.

Die US-Regierung hat der früheren Daimler-Tochter eine Frist bis Ende April gesetzt, um sich mit Fiat zu einigen. In diesem Fall kann Chrysler auf einen weiteren Kredit von sechs Milliarden Dollar hoffen. Bei einem Scheitern des Deals hatte US-Präsident Barack Obama eine Chrysler-Insolvenz nicht ausgeschlossen.

Fiat soll Chrysler mit der bisher fehlenden Technik und dem Wissen für den Bau kleiner, Sprit sparender Autos versorgen und im Gegenzug einen Anteil an dem Hersteller von 20 Prozent bekommen. Die Übernahme von Schulden hat Fiat allerdings kategorisch ausgeschlossen und plant auch keine Finanzspritze. Branchenexperten fragen sich daher, wie lange Chrysler selbst bei weiteren staatlichen Hilfen überleben kann, bis sich die Zusammenarbeit mit Fiat bezahlt macht.

Fiat steckte vor wenigen Jahren noch selbst tief in der Krise. Vorstandsvorsitzender Sergio Marchionne, seit 2004 im Amt, verordnete der Traditionsmarke einen strikten Sparkurs, startete eine Serie erfolgreicher neuer Modelle und brachte das Unternehmen schließlich wieder auf Erfolgskurs.

Colleen Barry, ap

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