Gaspreise Regierung nimmt Energiekonzerne ins Visier

Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg ermahnt die deutschen Gasversorger: Er hat die Unternehmen aufgefordert, die gesunkenen Gaspreise an die Verbraucher weiterzugeben. Zuvor hatte eine Studie zu hohe Preise kritisiert.

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisierte am Mittwoch, einzelne Versorger gäben derzeit nur die Hälfte des Preisrückgangs beim Einkauf des Brennstoffes an die Verbraucher weiter. "Ich erwarte, dass sie die durch die Ölpreisentwicklung gesunkenen Gasbezugspreise in vollem Umfang und zeitnah an die Verbraucher weitergeben." Der Gaspreis ist mit zeitlicher Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt, der sich seit Sommer 2008 mehr als halbiert hat.

Eine Studie im Auftrag der Grünen bei fünf großen Gasversorgern kommt zu dem Schluss, dass die Unternehmen nur einen Teil der gesunkenen Bezugspreise an die Verbraucher weitergeben. Dadurch entstünden ungerechtfertigte Mehrerlöse von mehreren Hundert Millionen Euro allein im ersten Halbjahr 2009, schreibt der Kölner Gashandelsexperte Gunnar Harms in der Studie. Hochgerechnet auf alle 600 Versorger könnten dies sogar mehr als 1,5 Milliarden Euro sein.

Dem Gutachten zufolge müssten die Preise im ersten Halbjahr 2009 um rund ein Viertel sinken und zum Winter noch einmal um 25 Prozent. Bisher seien es aber nur 12 bis 14 Prozent gewesen. Zudem wird kritisiert, die Preise für die Verbraucher würden immer dann gesenkt, wenn etwa im Frühjahr der Bedarf an Gas ohnehin zurückgehe.

"Abzocke der Verbraucher"

"Bei den Gaspreisen gibt es deutliche Hinweise auf eine Abzocke der Verbraucher", sagte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn. "Angesichts der stark gesunkenen Weltmarktölpreise müssten die Gasversorger ihre Tarife doppelt so stark senken wie erfolgt. Dass sie es nicht tun, liegt am unzureichenden Wettbewerb auf dem Gasmarkt."

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) widersprach und kritisierte die Studie: Sie untersuche nur den Zeitraum bis April 2009, entscheidend sei aber das Gesamtjahr. Hier könne es noch Preissenkungen geben. Die werde sich positiv auf die Kunden in der nächsten Heizperiode ab Herbst auswirken. Zudem gebe es durchaus Wettbewerb auf dem Markt.

Guttenberg wies darauf hin, dass das Ministerium bereits im Herbst 2008 vor der Heizperiode die Gasversorger gemahnt hatte, die Preise angesichts der sinkenden Ölpreise nicht zu erhöhen.

"Bei Preismissbrauch sind die Kartellbehörden, vor allem der Länder gefordert, einzuschreiten." Der CSU-Politiker ermunterte die Verbraucher zudem, von der Möglichkeit eines Wechsels des Gasversorgers Gebrauch zu machen. Allein in Berlin habe man 18 zur Auswahl. Das Ministerium arbeitet zurzeit auch an einer weiteren Vereinfachung des Zugangs zu den Gasnetzen der großen Versorger, um den Wettbewerb noch stärker in Schwung zu bringen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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