Dienstag, 18. Februar 2020

Bankenrettung Die Good-Bank-Lösung

In der kommenden Woche berät die Bundesregierung, wie Banken von ihren Altlasten zu befreien sind. Doch auf die Kernfragen gibt es keine Antwort: Welchen Wert hat der Giftmüll? Und wie kann die Kreditvergabe wieder in Schwung kommen? Internationale Experten empfehlen statt der Rettung der alten Banken einen radikalen Neubeginn.

Hamburg - Das Problem drängt. Längst geht es nicht mehr nur um den sogenannten Giftmüll, um verbriefte Kreditpapiere, die selbst Insider nicht durchschauen. Der Internationale Währungsfonds hat seine Schätzung der weltweiten Ausfälle in den Bankbilanzen jüngst auf vier Billionen Dollar verdoppelt. Der Großteil davon sind Forderungen aus ganz gewöhnlichen Krediten: Wegen der Wirtschaftskrise können immer mehr Unternehmen und Privathaushalte ihre Schulden nicht mehr bedienen.

Solide Banken: Frommer Wunsch oder reale Perspektive?
Ab dem Sommer könnte diese neue Welle der Finanzkrise in die Bankbilanzen schwappen. Allein für deutsche Banken wird ein Verlustrisiko von 200 bis 600 Milliarden Euro geschätzt. Zum Vergleich: Laut der jüngsten Statistik der Bundesbank wies die gesamte Branche ein Kapital von 415 Milliarden Euro auf. Die Finanzindustrie steht also, wenn die negativen Szenarien eintreten, vor dem kollektiven Bankrott. Banken, die mit ihren Altlasten aus eigener Kraft fertig werden können, sind eher die Ausnahme als die Regel.

Selbst die gewaltigen Summen an staatlicher Kapitalhilfe, die seit dem Herbst geflossen sind, bringen den Kreditmotor der Wirtschaft nicht wieder in Schwung, weil das Geld von den wachsenden Verlusten der Banken aufgezehrt wird. Nötig scheint also eine umfassende Säuberung der Bilanzen, die den Banken erlaubt, wieder nach vorn zu schauen.

Weltweit haben verschiedene Staaten ihre eigenen Antworten auf das Problem gefunden. Die USA wollen mithilfe privater Investoren einen Preis für den Giftmüll finden - den allerdings fast ausschließlich die Staatskasse aufbringen muss. Irland plant direkt eine nationale Bad Bank, die den Banken für 80 bis 90 Milliarden Euro Immobilienkredite abkaufen soll - nach einer eigenen Wertschätzung. Die britischen Banken behalten die Papiere in den eigenen Büchern, aber die Regierung steht mit bis zu 600 Milliarden Pfund gerade. Auf eine ähnliche Variante scheint auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zu setzen, der allerdings eine kleinere Summe für dezentrale Bad Banks bereitstellen und den eigentlichen Giftmüll von der Staatsgarantie ausnehmen will.

All diesen Lösungen ist eines gemeinsam: Im Verlustfall haften die Steuerzahler. Und es bleibt fraglich, ob die so teuer geretteten Banken überhaupt in die Lage versetzt werden, die Wirtschaft wieder mit ausreichenden neuen Krediten zu versorgen. "Sie wissen ja, dass ihnen noch etliche Ausfälle bevorstehen", erklärte Starinvestor George Soros auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos und stellte seine Alternative vor: die "Good Bank". Statt dem schlechten Geld gutes hinterherzuwerfen, solle der Staat lieber neue Banken mit den wertvollen Aktiva der alten Banken gründen und diesen Instituten Kapital geben.

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