USA Verbraucherpreise sinken, Deflationsgefahr steigt

Die Verbraucherpreise in den USA sind zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert im Jahresvergleich gefallen. Insbesondere die Energie- und Lebensmittelpreise sanken im März. Damit nimmt die Sorge vor einer Deflation zu.

Washington - Die scharfe Rezession hat die US-Verbraucherpreise erstmals seit fast 54 Jahren sinken lassen. Sie fielen um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Das war der erste Rückgang seit August 1955. Vor allem Energie und Lebensmittel verbilligten sich.

"Die Daten stehen für eine Volkswirtschaft, die sich in einer tiefen Rezession befindet", sagte Analyst Peter Kenny von Equity Markets. Ohne Energie- und Lebensmittelpreise wären die Lebenshaltungskosten allerdings um 1,8 Prozent gestiegen. Diese sogenannte Kernrate wird Experten zufolge in den kommenden Monaten sinken. Angesichts von Überkapazitäten in der Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit dürften sich viele Waren und Dienstleistungen verbilligen, sagte ING-Analyst James Knightley.

Damit wächst die Sorge vor einer Deflation, also einem Preisverfall auf breiter Front. Sie ist für die Wirtschaft besonders gefährlich, weil Verbraucher dann auf immer weiter fallende Preise spekulieren und sich mit Ausgaben zurückhalten. Die US-Notenbank und die Regierung in Washington pumpen enorme Summen in die Wirtschaft, um eine Deflation zu vermeiden.

Unterdessen gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer für die Konjunktur. Der Abschwung der Industrietätigkeit im Bundesstaat New York hat sich im April überraschend stark abgebremst. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg auf minus 14,65 Punkte von minus 38,23 Zählern im März, wie die New Yorker Federal Reserve mitteilte. Damit erreichte das Barometer den höchsten Stand seit September 2008. Es gilt als Frühindikator für die gesamte US-Industrie.

Diese hatte ihre Produktion im März stärker gedrosselt als erwartet. Im verarbeitenden Gewerbe sank der Ausstoß um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat und damit zum sechsten Mal in Folge. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von lediglich 1,0 Prozent gerechnet. Verglichen mit dem Vorjahr schrumpfte die Produktion um knapp 13 Prozent. Die Kapazitätsauslastung war mit 69,3 Prozent so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung 1967.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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